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Plan der EU-Kommission : Strikte Verbraucherschutzregeln für Baukredite

Neuregelung von Hypothekarkrediten: Die Banken sollen nach Vorstellung der EU-Kommission sicherstellen, dass der Kredit genau an die Bedürfnisse des Kunden angepasst ist Bild: ddp

Die EU-Kommission plant ein neues Standardformular für Hypothekarkredite, das alle Details kompakt zusammenfasst - damit Verbraucher Angebote leichter miteinander vergleichen können. Das sieht nach F.A.Z.-Informationen ein internes Arbeitspapier vor.

          Verbraucher sollen bei der Aufnahme von Baukrediten künftig Anspruch auf eine umfassende Beratung, standardisierte Informationen und genau auf ihre jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittene Verträge haben. Das sieht ein internes Arbeitspapier der Europäischen Kommission für eine Neureglung von Hypothekarkrediten vor. Damit die Verbraucher die Informationen und Angebote von Banken oder anderen Kreditgebern leichter miteinander vergleichen können, will die Kommission ein neues Standardformular einführen, das alle Details kompakt zusammenfasst.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Dazu gehört auch der effektive Jahreszins. Dieser soll nach dem Vorbild der EU-Regeln für andere Kredittypen überall anhand derselben Formel berechnet werden. Zwischen Bereitstellung des Formulars und Kreditabschluss sollen mindestens zehn Tage liegen. Die Kreditgeber werden den Kommissionsplänen zufolge weiterhin vor dem Vertragsabschluss die Kreditwürdigkeit des Kunden genau prüfen und ihm den Kredit im Zweifelsfall verweigern.

          Eine „verantwortungsvolle“ Kreditvergabe sei wichtig für Märkte

          Die Banken sollen nach Vorstellung der Kommission zudem sicherstellen, dass der Kredit genau an die Bedürfnisse des Kunden angepasst ist. Die Verbraucher werden verpflichtet, alle dafür relevanten Informationen zu liefern. Kreditvermittler sollen sich in nationalen Registern eintragen und nur zugelassen werden, wenn sie eine ausreichende Qualifikation und einen guten Leumund haben. Werbung für Baukredite soll detaillierte Angaben etwa über die Höhe des Zinses und die Laufzeit enthalten. Auch will die Kommission die Banken dazu verpflichten, die Verbraucher zu warnen, dass sie den Immobilienbesitz verlieren können, wenn sie ihre Verpflichtungen nicht erfüllen.

          Den endgültigen Regelungsvorschlag will die Kommission im Laufe des Herbsts vorlegen. Die Finanzkrise habe gezeigt, wie wichtig eine „verantwortungsvolle“ Kreditvergabe für die Stabilität der Märkte sei, begründet die Behörde den Vorstoß. Die Vergabe von Baukrediten spiele dabei eine zentrale Rolle. Ihr Volumen belaufe sich in Europa auf rund 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

          Irreführende Werbung sei weit verbreitet

          Die Immobilienblasen in Spanien, Großbritannien und Irland hätten gezeigt, dass es nicht nur in den Vereinigten Staaten Ungleichgewichte in diesem Markt gebe. Das Platzen der Immobilienblase in Amerika gilt aus Auslöser der Finanzkrise. Die Vorschläge bleiben dennoch hinter den von der vorherigen Kommission angestoßenen Plänen zurück. Diese wollte die Regeln für Baukredite weitgehend vereinheitlichen, auch um die Verbraucher zur Aufnahme von Krediten im EU-Ausland zu ermutigen. Dagegen hatten vor allem die deutschen und britischen Banken protestiert.

          Der EU-Verbraucherschutzverband Beuc begrüßte den Vorstoß. Die Kreditwürdigkeit der Verbraucher werde oft unzureichend geprüft. Irreführende Werbung sei weit verbreitet. Die Kommission müsse allerdings auch unlautere Geschäftspraktiken verbieten. Dazu gehörten Kombinationsverkäufe, bei denen die Vergabe eines Kredits an den Abschluss weiterer Verträge geknüpft wird. Auch müssten die Verbraucher bei unsachgemäßer Beratung Anspruch auf Schadenersatz haben, fordert Beuc. Die Beweislast solle dabei beim Kreditgeber liegen.

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