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Pkw-Maut in Europa : Gute Straßen, schlechte Straßen

In Deutschland gibt es bereits eine Maut - für schwere Laster Bild: dapd

Eine Pkw-Maut sorgt angeblich für bessere Autobahnen. Die Realität sieht oft anders aus. Das zeigt ein Besuch bei den europäischen Nachbarn.

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          Man glaubt es kaum: Die Ungarn sind Europameister. Allerdings nicht im Fußball, sondern bei der Pkw-Maut. Zumindest bei der, die mittels einer Vignette fürs ganze Jahr erhoben wird. 143 Euro muss ein Autofahrer für 12 Monate bezahlen. Auch Slowenien ist mit 95 Euro gut dabei, Österreich mit 80 Euro, die vermeintlich teure Schweiz mit derzeit noch 33 Euro dagegen vergleichsweise billig. Dummerweise werden die aber auch fällig, wenn man nur einen Tag durchs Land nach Italien fährt.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eine solche Autovignette wird jetzt auch wieder für Deutschland diskutiert. Die CSU hat sie sogar in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Nur ausländische Autofahrer sollen sie zahlen, wenn sie auf deutschen Autobahnen fahren. Das ist populär. Schließlich zahlen die Deutschen auf der Fahrt in den Urlaub im Süden und Westen kräftig Mautgebühren. Rund ums Mittelmeer und an der Atlantikküste gibt es kein Land, das keine Benutzungsgebühr erhebt. Ausgenommen sind davon nur einzelne Abschnitte, meist in der Nähe der Großstädte oder in Italien südlich von Neapel bis Sizilien. In Deutschland hingegen rollt der Verkehr gebührenfrei.

          Die Mauteinnahmen flossen zuerst in den Haushalt

          Und wenn denn hierzulande die zusätzlichen Einnahmen von den ausländischen Autofahrern auch noch die Qualität der immer schlechteren Autobahnen hierzulande verbessern - warum nicht? Doch der Vorschlag des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer wird europarechtlich keine Chance haben, weil er Ausländer diskriminiert. Und es ist längst nicht ausgemacht, dass durch eine Maut die Straßen in einen besseren Zustand versetzt werden. Einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Mauterhebung und besserer Qualität gibt es nämlich nicht.

          Beispiele für kostenpflichtige Strecken in Europa Bilderstrecke

          Das lässt sich schon in Deutschland selbst zeigen. Denn hier gibt es bereits eine Maut - für schwere Laster. Seit 2005 wird sie elektronisch erhoben, doch der Zustand der Autobahnen hat sich seitdem eher noch verschlechtert. Das liegt daran, dass die Mauteinnahmen anfangs gar nicht in den Unterhalt der Straßen flossen, sondern in den öffentlichen Haushalt. Jetzt wurde das geändert, dafür aber die Investitionen des Staates in den Unterhalt der Autobahnen gekürzt.

          Der Verkehr würde nicht verschwinden, sondern umgeleitet

          Auch Italiens Autostradas zeigen, dass ihr Zustand nicht besser als in Deutschland ist, obwohl dort Maut bezahlt werden muss. Umgekehrt sind die Strecken in Skandinavien in einem guten Zustand, obwohl dort nur für größere Brücken und Tunnel eine Gebühr fällig wird. Dort investiert der Staat einfach stärker in den Unterhalt. Gleichzeitig sind die Verkehrsdichte und der Transitverkehr deutlich geringer als in Deutschland und der Verschleiß der Straßen damit viel niedriger. Als vergleichsweise gut gilt auch der Zustand der französischen Autobahnen. Das liegt zum einen daran, dass viele in den vergangenen Jahren erst neu gebaut wurden. Zum anderen werden die dortigen privaten Streckenbetreiber in den vom Staat erteilten Konzessionen häufig zu einem Mindestqualitätsstandard verpflichtet.

          Während der Zusammenhang zwischen Maut und Straßenzustand also nicht so eindeutig ist, ist eine andere Hoffnung der Autofahrer berechtigt: Mit einer deutschen Pkw-Maut dürfte die Zahl der Staus auf den Autobahnen zurückgehen. Denn einige Fahrer werden zumindest auf kurzen Strecken auf die Landstraße ausweichen. Das ist in Frankreich und Spanien schon jetzt zu beobachten. Dort wird das Ausweichen allerdings auch erleichtert durch parallel zur Autobahn verlaufende Nationalstraßen, die teilweise mehrspurig ausgebaut sind.

          Die Freude über weniger Staus auf den Autobahnen wäre in Deutschland allerdings getrübt. Denn klar ist: Der Verkehr würde nicht verschwinden, sondern zu mehr Belastung auf Landstraßen und in Ortschaften führen. Und dadurch mehr Unfälle produzieren. Denn die Autobahnen sind immer noch am sichersten.

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