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Phnom Penh : Polizei räumt Camp von Textilarbeitern in Kambodscha

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Nach tödlichen Zusammenstößen zwischen streikenden Textilarbeitern und der Polizei in Kambodscha haben die Behörden ein Protestlager geräumt. Wachleute setzten dabei auch Eisenstangen und Äxte ein, um Zelte und eine Bühne einzureißen.

          Die Polizei in Kambodscha hat am Samstag ein Protest-Camp der streikenden Textilarbeiter geräumt. Unter Einsatz von Tränengas gingen die Einsatzkräfte gegen die Streikenden in der Hauptstadt Phnom Penh vor und zerstörten die Hütten, die dort mehrere Wochen gestanden hatten. Am Vortag waren bei einem Polizeieinsatz gegen die Protestler bis zu fünf Menschen getötet worden.

          Die Oppositionspolitikerin Mu Sochua sagte, das als „Freiheitspark“ bekanntgewordene Lager sei gegen 10.30 Ortszeit (04.30 MEZ) von der Polizei und Schlägertrupps umstellt worden. „Es waren angeheuerte Schläger und Spezialeinsatzkräfte mit Metallrohren und Knüppeln. Ihr Ziel war, die Leute zu Krüppeln zu schlagen. Unsere Anhänger wurden völlig zerstreut. Es war wie eine Kriegszone“, sagte sie.  Im Freiheitspark in Phnom Penh hatten Hunderte Anhänger der Opposition seit Mitte Dezember ausgeharrt. Die Opposition fürchtet, dass nun ihre Parteihauptquartiere als nächstes an der Reihe seien.

          Der Chef des Oppositionsbündnisses CNRP, Sam Rainsy, verurteilte die Gewalt und verlangte gründliche Ermittlungen. Auch aus dem Ausland kommt Kritik am Vorgehen der Sicherheitskräfte. „Es ist eine Tragödie, wenn streikende Arbeiter beim Eintreten für ihre Rechte geschlagen und getötet werden“, sagte Außenminister Frank-Walther Steinmeier Spiegel Online. Der Konflikt sei für Deutschland relevant, weil in Kambodscha hergestellte Produkte auch in der Bundesrepublik gekauft und täglich genutzt würden.

          Einsatzkräfte in Phnom Penh

          Adidas erklärte, das Unternehmen verfolge die Ereignisse mit Besorgnis. „Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Zulieferern in Kambodscha und hoffen auf eine friedliche Lösung der Situation.“ Eine Puma-Sprecherin äußerte sich nicht zu den Arbeitskämpfen. Nach Angaben des Konzernes ruht zurzeit der Betrieb in einigen Werken in der Region Phnom Penh.

          Die Proteste in dem südostasiatische Land dauern seit mehr als einer Woche an. Die Textilarbeiter, die meisten von ihnen Frauen, fordern eine Verdoppelung des Mindestlohns von umgerechnet rund 60 Euro. Der Textilsektor ist die stärkste Exportbranche Kambodschas.

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