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Trost suchen bei Karl Popper : Die offene Gesellschaft und ihre Feinde

Es hilft alles nichts und ist am Ende sogar die Moral aus Poppers Reflexion: Die Verantwortung für die Geschichte fällt auf den Menschen zurück. Auf keinen anderen. Das ist der zentrale Satz: „Die einzige rationale Einstellung zur Geschichte der Freiheit besteht in dem Eingeständnis, dass wir es sind, die für sie die Verantwortung tragen, – in demselben Sinn, in dem wir für den Aufbau unseres Lebens verantwortlich sind; dass nur unser Gewissen unser Richter sein kann.“

Ohne offene Gesellschaft fehlt der Marktwirtschaft die Luft zum Atmen

Wenn es aber an uns und nur an uns liegt, was der Sinn unseres Lebens sein soll, dann hilft ein Wegducken vor der Barbarei gerade nicht. Dann geht es darum, im Kampf für die offene Gesellschaft keinen Millimeter nachzugeben. Das schließt Klugheit nicht aus: Karl Popper hat gut daran getan, sich vor den Nazi-Horden so weit wie möglich davonzumachen – nach Neuseeland. Aber das war gerade kein Nachgeben, keine feige Flucht, sondern überlegte Tat. Dass die Geschichte keinen Sinn hat, heißt nicht, dass wir die Barbarei mit Entsetzen akzeptieren müssen oder dass wir gezwungen sind, sie als grausamen Scherz hinzunehmen und zu resignieren.

Poppers Pathos von 1945 ist das Credo für heute: „Wir können die Geschichte interpretieren im Sinne unseres Kampfes für die offene Gesellschaft, für eine Herrschaft der Vernunft, für Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und für die Kontrolle des internationalen Verbrechens. Obwohl die Geschichte kein Ziel hat, können wir ihr dennoch diese unsere Ziele auferlegen. Und obwohl die Geschichte keinen Sinn hat, können wir ihr einen Sinn geben.“

Daraus folgt alles. Gar alles, wofür es sich zu kämpfe lohnt. Für die Demokratie. Nicht etwas weil die Demokratie die Herrschaft der Mehrheit ist, sondern weil sie eine humane Regierungsform ist, wo man die Regierenden ohne Blutvergießen absetzen kann. Alle Völker, die sich nach dem Ende des Nationalsozialismus 1945 und des Kommunismus 1989 zu diesen fundamentalen Werten bekannt haben, durften diese Freiheitserfahrung machen.

Daraus folgt alles. Gar alles, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Auch und vor allem die Marktwirtschaft, der ohne eine offene Gesellschaft die Luft zum Atmen fehlte. Denn nur in einem Rechtsstaat, der den Menschen Freiheit lässt und ihnen zugleich Sicherheit gibt (wenn es sein muss mit Richtern, mit Polizei und mit Militär), von ihrer Freiheit auch Gebrauch zu machen, können sich freie Märkte entfalten. Freie Märkte aber sind ein Segen. Weil sie arme Menschen reich machen, was ein Blick auf die Freiheitsgeschichte Europas im 19. Jahrhundert und Asiens im 20. Jahrhundert beweist. Freie Märkte sind aber auch ein Segen, weil sie menschliche Kreativität und unternehmerischen Einfallsreichtum belohnen, woran alle ihre Freude haben können. Ein primitiver Markt – der Tausch von Äpfeln gegen Spinat - mag vielleicht auch ohne diesen Rechtsrahmen auskommen. Aber ein primitiver Markt bietet allenfalls geringe Wahlfreiheit. Und die Marktteilnehmer sind auf immer verdammt dazu, arm zu bleiben.

All das steht jetzt auf dem Spiel. Wieder einmal. Der Kampf gegen den Terror muss mit allen Waffen und in aller Härte geführt werden. Er muss auch mit den Waffen des Arguments geführt werden, damit die offene Gesellschaft als Vorbild strahlen kann. Das ist nicht naiv. Daran hängt alles. Auch unser Wohlstand, der Ausfluss unserer Freiheitsentscheidungen ist.

„In dieser Weise können wir sogar die Weltgeschichte rechtfertigen: sie hat eine solche Rechtfertigung dringend nötig.“ (Karl Popper 1945).

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