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Weltwirtschaftsforum : Najib Razaks große Show

Najib Razak Bild: dpa

Auf dem Weltwirtschaftsforum befragt Philipp Rösler den umstrittenen malaysischen Regierungschef. Und der gibt keine Antworten. Kritisches Nachhaken? Fehlanzeige.

          Philipp Rösler hat schon in jungen Jahren recht schwierige Gespräche geführt. Erst als Mediziner mit Patienten. Dann als deutscher Gesundheitsminister mit Vertretern einer auf Angriff gebürsteten Pharmaindustrie. Schließlich mit Parteifreunden der FDP. Und am gestrigen Dienstag als Geschäftsführer des Weltwirtschaftsforums (WEF) mit dem malaysischen Ministerpräsidenten Najib Razak. Rösler wäre nicht Rösler, würde er bei so etwas noch ins Schwitzen kommen. Und so saß er denn auch als Gesprächsführer auf dem Plenum des WEF in Kuala Lumpur und fragte Najib brav, wie er die Reputation seines Landes im Ausland sichere.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Was nett klang, war eine offene Falle. Denn die Reputation der drittgrößten Volkswirtschaft Südostasiens ist dahin, seit ein Milliarden Dollar schwerer Skandal um die Regierung, Najib und den Staatsfonds wie eine Zwiebel entblättert wird. Staatsanwälte in mindestens sechs Ländern – von der Schweiz über Singapur und Hongkong bis nach Amerika – arbeiten an dessen Aufklärung, Banken zittern. Najib selber hatte 681 Millionen Dollar auf seinem Privatkonto gefunden und bislang keine rechte Erklärung über Herkunft und Verbleib abgegeben. Und nun antwortete er auf Röslers nette Frage mit den Wachstumsperspektiven seines Landes. Nachfrage? Fehlanzeige.

          Das ist die Crux der jüngsten Mode solcher Veranstaltungen – Politiker befragen Politiker, Manager neuerdings Manager –, damit auch ganz sicher nichts Dunkles zutage tritt. Allerdings sind schon ganz andere an Najib gescheitert als ein Rösler, der natürlich die Neutralität des WEF sichern will. Das Forum wurde bei seinem Gang nach Kuala Lumpur sowieso schon Opfer der Malaise: Kein hochrangiger Politiker ist nach Malaysia gekommen, keiner will derzeit händeschüttelnd mit Najib abgelichtet werden. Das Nachbarland Singapur, das die Machenschaften um Najib nun verfolgt, ist dem Forum genauso ferngeblieben wie die neue, saubere Regierung von Burma (Myanmar). Das Forum degradierte sich selber zur Najib-Schau.

          „Wir sind Geschäftsleute. Wir brauchen politische Verlässlichkeit.“

          Und die beherrscht er. Sanfte Stimme, blaues Einstecktuch, silberne Manschettenknöpfe zur goldenen Uhr. Diesem Mann würde man einen gebrauchten C-Klasse-Mercedes abkaufen. Statt zu erklären, ob der Regen auf seinem Privatkonto wirklich aus Saudi-Arabien stammte, statt zu erklären, wo möglicherweise bis zu vier Milliarden verschwundene Dollar aus dem von ihm geleiteten Staatsfonds blieben, statt die Probleme seines Landes überhaupt nur zu streifen, las Najib von seinen Acryl-Glasschirmen die Rede eines Staatslenkers ab, deutete die Zukunft der zehn südostasiatischen Länder. Eingeblendet wurde ein Bild von ihm mit Obama – dessen Staatsanwälte ihn heute einkreisen. Am Revers trug Najib, der auch Finanzminister ist, unverdrossen die große „1“ mit der malaysischen Fahne, die für den Aufstieg seines Landes steht.

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