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Pflegereport : Familien tragen die Hälfte der Pflegekosten

  • Aktualisiert am

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums bezogen zuletzt 2,5 Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung, davon wurden 1,7 Millionen Menschen ambulant versorgt Bild: dapd

Die Familie zahlt für die Pflege eines Angehörigen im Schnitt 31.000 Euro aus der eigenen Tasche. Aus der Pflegeversicherung kommen noch einmal 33.000 Euro dazu.

          Für die Pflege eines Angehörigen müssen Familie und Patient im Schnitt 31.000 Euro aus der eigenen Tasche aufbringen. Damit übernehmen sie fast die Hälfte der Gesamtkosten. Aus der Pflegeversicherung kommen noch einmal 33.000 Euro dazu. Diese Durchschnittswerte hat Deutschlands größte Krankenkasse Barmer/GEK in ihrem am Dienstag vorgestellten Pflegereport 2012 errechnet. Darin wurden nach ihren Angaben erstmals die Kosten beziffert, die Pflegebedürftige über ihre Lebenszeit verursachen. Grundlage war der Vergleich von 2000 Pflegepatienten.

          Demnach brachten die Angehörigen im Jahr 2009 jeden Monat 339 Euro für die Pflege ihres Familienmitglieds in der niedrigsten Pflegestufe 1 auf - zusätzlich zum Pflegegeld. Die Autoren der Studie prognostizieren, dass sich dieser Betrag binnen 3 Jahren auf 407 Euro erhöhen wird. Nur in der höchsten Pflegestufe 3 - die für stationäre Pflege gewährt wird - soll der Eigenanteil konstant bleiben.

          Die finanzielle Basis muss verbreitert werden

          Gerade die Anzahl der Menschen mit Pflegestufe 1 hat sich allerdings seit 1996 mehr als verdoppelt, wohingegen die anderen beiden Stufen nahezu konstant geblieben sind. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums bezogen zuletzt 2,5 Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung, davon wurden 1,7 Millionen Menschen ambulant versorgt.

          Rolf-Ulrich Schlenker, dem Vize-Vorstandsvorsitzenden der Barmer GEK sagte, die Zahlen belegten, dass „die Pflegeversicherung immer eine Teilkaskoversicherung war, ist und bleiben wird“. In der Studie wird außerdem hervorgehoben, dass die Versorgung von Frauen mit im Durchschnitt 84.000 Euro doppelt so teuer ist, wie die von Männern (42.000 Euro). Entsprechend höher sind auch die Eigenanteile. Für Frauen betragen sie 45.000 Euro, für Männer 21.000 Euro. Das sei darauf zurückzuführen, dass Frauen länger lebten und deshalb auch meist längere Heimaufenthalte benötigten.

          Die Forscher sagen außerdem voraus, dass die Anzahl der Pflegebedürftigen in den kommenden Jahren langsamer steigen wird als im vergangenen Jahrzehnt. Während sich die Zahl 2010 noch um 3 Prozent jährlich erhöhte, sei 2011 erstmals ein gebremstes Wachstum festgestellt worden. Bis 2030 werde der Zuwachs auf nur noch ein halbes Prozent im Jahr zurückgehen. Schlenker rief daher dazu auf, die Pflegeproblematik nicht zu dramatisieren, insbesondere da in den Kassen noch rund 5 Milliarden Euro Reserven lägen. Dennoch müsste die finanzielle Basis der Pflegeversicherung verbreitert werden.

          Kritisch äußerte er sich zu der von der Regierung beschlossenen Pflegereform. Demnach sollen private Pflegezusatzversicherungen von Januar an mit bis zu 60 Euro im Jahr staatlich bezuschusst werde, wenn der Kunde mindestens 120 Euro in den Vertrag selbst einzahlt. Die Verordnung zur Umsetzung des Gesetzes will das Bundeskabinett an diesem Mittwoch verabschieden. Schlenker nannte den Förderbetrag von 5 Euro im Monat unzureichend und einen Tropfen auf den heißen Stein. Die Reform beinhaltet auch eine Beitragserhöhung um 0,1 Punkte von Januar an zur Finanzierung zusätzlicher Hilfen für Demenzpatienten.

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