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Personalführung : Besser als die Karotte am Stock

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Reisegutscheine wirken manchmal Wunder Bild: picture-alliance / dpa

Nur wenige Unternehmen nehmen die Motivation ihrer Mitarbeiter so ernst wie Google. Und welches Unternehmen kommt schon auf die Idee, bei Bonuszahlungen an den Ehepartner des Workaholics zu denken?

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          Was die Motivierung der Mitarbeiter betrifft, haben die Betreiber der Internet-Suchmaschine Google den Bogen raus: Das Unternehmen vergab erstmals im April den sogenannten "Founders' Awards und vergab Aktien im Wert von 12 Millionen. Dollar an zwei erfolgreiche Teams. Google will diesen regelmäßig ausschrieben und an erfolgreiche Abteilungen im Unternehmen verleihen.

          Ziel der Aktion ist es, die Angestellten zu belohnen, zu motivieren und im Unternehmen zu halten. "Der Founders' Award soll eine außerordentliche Belohnung für außerordentliche Leistungen eines Teams sein", schrieben die beiden Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page in ihrem ersten Aktionärsbrief. "Als Faustregel kann man davon ausgehen, daß das Team etwas geschaffen hat, das für Google einen riesigen Wert bringt."

          Was jeder Psychologe weiß

          Jeder Psychologie-Student lernt, daß Geld als Motivationsanreiz dann wirkt - sofern der Mitarbeiter versteht, welche Leistung gemessen und belohnt wird und wenn er einen wesentlichen Einfluß auf diese Größe hat. Außerdem sollte die Belohnung möglichst kurzfristig nach der Bewertung erfolgen. So weit die Theorie. In der Praxis sieht es in den meisten Unternehmen so aus: der Mitarbeiter weiß meist, welche Leistung gemessen wird, hat jedoch keinen wirklichen Einfluß darauf, und häufig werden Belohnungen mit großer Zeitverzögerung ausgegeben, so daß die Verbindung zwischen der Leistung und der Honorierung fehlt. Also warum folgen nicht mehr Unternehmen dem Beispiel von Google und vergeben Motivationsanreize basierend auf der Leistung von kleineren Teams und zur entsprechenden Zeit?

          Ein Hemmnis ist die bürokratische Trägheit vieler Personalabteilungen. Eine Bonuszahlung zu einem anderen Zeitpunkt als dem Jahresende bedeutet immer zusätzlichen Papierkram. Außerdem schaffen Belohnungen Neid. Wenn Mitarbeiter ihre Chefs um das höhere Einkommen beneiden, dann ist das eine Sache. Wenn bestimmte Teams jedoch außer der Reihe eine Belohnung erhalten, so wie jetzt bei Google, stellt das die Unternehmenswelt und die Hierarchie auf den Kopf. Jetzt beneiden die Chefs ihre Untergebenen.

          Eine Million Dollar für den, der bleibt

          Mitte der 70er Jahre, kurz nach der Ölkrise 1973, war für den Ölkonzern Mobil die Suche nach neuen Ölquellen besonders wichtig. Es war jedoch schwierig, gute Geologen zu halten, daher verfiel das Unternehmen auf die Idee, dem besten Geologen einen "Retention Award" zu gewähren. Falls er bei Mobil blieb, bis er 65 Jahre alt war, würde er zusätzlich zu seiner Pension eine Million Dollar erhalten - Mitte der 70er eine beträchtliche Summe. Das funktioniert auch hervorragend, bis die Top-Manager des Unternehmens bemerkten, daß sie keine solche Belohnung erhielten. Sie argumentierten, daß sie für das Unternehmen mindestens ebenso wichtig seien wie irgendein Steinklopfer, und machten sich daran, diese schwerwiegende Ungerechtigkeit zu beheben. Schließlich wurde das Belohnungsprogramm aufgegeben, weil zu viele Leute daran teilnahmen.

          Nur wenige Unternehmen nehmen die Motivation ihrer Mitarbeiter so ernst wie Google. Eine Ausnahme, die im in seiner 20 Jahre dauernden Karriere als Berater begegnete, wird Graef Crystal jedoch nie vergessen. Es ging dabei um einen hochrangigen Manager, der gleichzeitig ein Workaholic war. Er nahm fast nie Urlaub und war jeden Samstag und auch manchen Sonntag im Büro zu finden. Das wiederum hatte seine Ehe in Gefahr gebracht. Außerdem war der Manager extrem sparsam. Er lebte sehr bescheiden, fuhr ein altes Auto und legte fast alles, was er verdiente, auf die hohe Kante - was seiner Ehe auch nicht unbedingt gut tat. Sein Vorstandschef kam zu dem Schluß, daß das Problem eigentlich nicht bei der Motivation lag, sondern darin bestand, den Mitarbeiter zu halten und ihm gleichzeitig seinen häuslichen Frieden zu sichern.

          Eine geniale Idee

          Der Vorstand verfiel auf eine geniale Idee. Er rief den Manager zu sich, dankte ihm ausführlich für seine herausragende Arbeit und erklärte ihm, er gebe ihm auf der Stelle (und damit Monate vor dem Ende des Geschäftsjahres, dem üblichen Zeitpunkt für Bonuszahlungen) einen Bonus. Der Bonus bestand allerdings nicht in Geld, sondern in einem Flug mit der Concorde nach Paris und zurück für den Manager und seine Frau, einer Suite im Hotel Ritz für eine Woche, einem Geschenkgutschein von Hermès im Wert von 20.000 Dollar für die Frau des Mitarbeiters sowie einer Barzahlung, um die auf den Bonus anfallenden Steuern abzudecken.

          Einige Zeit später erzählte der Vorstandschef Crystal, daß es bei dem Angestellten jetzt nicht nur mit der Arbeit, sondern auch mit der Frau funktioniere. Sie ermunterte ihn offenbar, noch mehr zu arbeiten, und dachte an die nächste Reise nach Paris. Das zeigt anschaulich, daß Unternehmen aus den eingefahrenen Gleisen ausbrechen müssen, wenn sie ihre Mitarbeiter mit Geld motivieren wollen. Und es sollte immer wieder betont werden, daß es absolut akzeptierbar ist, wenn ein Mitarbeiter eine Sonderleistung bekommt, die sein Chef oder der Chef seines Chefs nicht erhält.

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