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Liu He : Chinas Handelskrieger

China ist die zweitgrößte Weltwirtschaft. Damit das auch so bleibt, soll Ökonom Liu He schützend eingreifen. Bild: dpa

Er war in Harvard und hat Chinas Aufstieg akribisch vorbereitet. Jetzt soll Liu He die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt vor einem Angriff aus Amerika beschützen.

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          Vor einem Jahr schockten Chinas Börsen die Welt. Die Führung hatte ihre Währung abgewertet und den Aktienhandel stoppen lassen, als die Kurse fielen. In Frankfurt brachen die Märkte ein. Dann in New York. Der Ölpreis fiel. Da nahm in Washington Finanzminister Jacob Lew den Hörer in die Hand und rief in Peking an, um zu fragen, ob in China vielleicht gerade die nächste Finanzkrise ausbreche.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Der Chinese, der am Telefon Amerika über das chaotische Krisenmanagement der zweitgrößten Wirtschaft zu beruhigen versuchte, hieß Liu He. Mit Finanzkrisen hat der 65 Jahre alte Mann Erfahrung. Nachdem im September 2008 in New York die Lehman-Bank gefallen war, schickte Chinas Präsident Hu Jintao damals seinen klügsten Kopf nach Amerika, um Rat einzuholen. Dass der Schock aus Übersee die vom Export abhängige chinesische Wirtschaft in den Kollaps triebe, galt es mit allen Mitteln zu verhindern. Am Ende legte Peking ein gigantisches Konjunkturpaket auf. Das führte kurzfristig durch die Krise und lud mittelfristig der Staatswirtschaft so hohe Schulden auf, dass es heute wieder Sorgen vor einer Finanzkrise gibt.

          Bisher kein Gespräch mit Trump

          Es gibt also abermals gute Gründe, um zu telefonieren. Der Streit um die Südchinesische See könnte ein Thema sein. Die Herrscher in Peking dürfte auch interessieren, was Donald Trump im Sinn gehabt hatte, als er vergangene Woche China vorwarf, es werte seine Währung ab, um Amerika zu schaden. Erhebt Trump bald Strafzölle auf chinesische Waren, was einen Wirtschaftskrieg auslösen könnte? Doch Trump telefoniert mit China bislang nicht.

          Mit Deutschlands Kanzlerin hat er bereits gesprochen und auch mit Wladimir Putin in Moskau. Etwa 20 Staatschefs hat er am Hörer gehabt. Diese Woche werde er wohl auch mit Chinas Präsidenten sprechen, hatte es noch vor kurzem in Peking heißen. Doch seinem größten Gegenspieler hat Trump am Mittwoch nur einen Brief geschickt. Der Präsident sendet Grüße zum chinesischen Neujahr, elf Tage verspätet. Er wolle „konstruktive Beziehungen“, versicherte Trump.

          Vorbereitungen auf einen Angriff aus Amerika

          Ist Amerikas Präsident etwa zu beschäftigt, um auch noch mit China zu streiten? Fest steht jedenfalls: Es dürfte niemanden in Pekings Führung geben, der glaubt, dass die größte Konstante im Wahlkampf des New Yorker Milliardärs, er werde China in die Knie zwingen, mit einer Grußkarte vom Tisch ist. Liu He zumindest bereitet sich darauf vor.

          Chinas Führung besteht aus der Regierung, die vom Ministerpräsidenten geführt wird, und der Partei. Letztere hat das Sagen. Über die großen Linien der Wirtschaftspolitik entscheidet die Parteigruppe „Finanzen und Wirtschaft“, der Xi Jinping vorsitzt und die Liu He führt. Bald könnte dieser auch das Wirtschaftsplanungsamt NDRC leiten.

          Staatspräsident Xi und Ökonom Liu kennen sich seit Kindertagen

          Auch unter Xi gilt der Ökonom Liu als wichtigster Wirtschaftsberater im Reich der Mitte. Als der neuernannte Präsident Mitte 2013 seinen Amtskollegen Barack Obama in Kalifornien besuchte, war Liu ganz vorn mit dabei. „Er ist sehr wichtig für mich“, sagt Xi über seinen Ökonomen. Der soll nun einen Plan ausarbeiten für den Fall, dass Trump Chinas Wirtschaft in Turbulenzen stürzen will.

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