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Parlamentswahl in Frankreich : Präsident der Bosse

Warum tut sich die Frau so etwas an? In ihrem kleinen Unternehmen ist jede Arbeitsstunde wichtig, und jeder Mitarbeiter zählt. Die 56-Jährige hat drei erwachsene Kinder, doch der Jüngste steht mit seinen 22 Jahren noch nicht ganz auf eigenen Beinen. Sie findet, dass Frankreich in seiner Krise steckenbleibe, wenn jeder erwarte, dass immer nur andere sich einsetzen sollen.

Macron habe sie von Anfang an überzeugt. Sie lernte ihn schon 2015 bei einem Besuch ihres Unternehmens kennen, als er noch Wirtschaftsminister war. Macron ist bis heute der Liebling von Start-up-Unternehmern wie Versini. Er besuchte, ermutigte und förderte sie, wo er konnte. „Wir haben viel gesprochen über Fragen der Wirtschaft und der Innovation. Ich habe gespürt, wie entschlossen er war. Von Anfang an habe ich an sein Projekt geglaubt“, erzählt sie.

Ihr Bruder hatte ihr früher schon gesagt, dass sie in die Politik gehen solle. Doch sie schüttelte immer den Kopf. „Ich sah mich nie in dieser Rolle. Ich bin viel zu geradeheraus. Doch heute merke ich, dass die Leute genau das wollen.“

Eine Wirtschaftstreibende für Macron: Corinne Versini

Wenn Unternehmer wie Versini und Bonnell als Abgeordnete in die Nationalversammlung einziehen werden, wollen sie die operative Führung an Manager abgeben. Ihre Beteiligungen dürfen sie nach der französischen Gesetzeslage behalten. Ende 2014 urteilte der französische Verfassungsrat über den Unternehmer und Senator Serge Dassault, dem unter anderem der gleichnamige Flugzeug- sowie Softwarehersteller und die Tageszeitung „Le Figaro“ gehören. Weil er diese Unternehmen nicht operativ führe, sei dieses Engagement mit seinem Abgeordnetenmandat vereinbar, entschied der Verfassungsrat.

Die Gegner der Macron-Kandidaten versuchen die unternehmerische Vergangenheit auszunutzen. Bruno Bonnell werden fragwürdige Steuerregelungen mit dem amerikanischen „Steuerparadies“ Delaware vorgeworfen, was er abstreitet. Die Neulinge lernen, dass man harte Bandagen für den politischen Wettbewerb braucht. Gegen den Stellvertreter von Versini, Said Ousmane Diallo, wird eine Affäre aus dem Jahr 2012 ausgegraben, als dieser angeblich in Verbindung mit dem organisierten Verbrechen indirekt gewalttätige Drohungen gegen den Lokalpolitiker Mennucci ausgesprochen haben soll – was er bestreitet. Willkommen in Marseille, denken da viele Franzosen.

Solche Attacken haben die hohen Umfragewerte vieler Kandidaten von „En Marche“ nicht beeinträchtigt. Wie Wasser scheinen die Vorwürfe abzuperlen. Der politische Traum von Bruno Bonnell könnte in Erfüllung gehen. Der Unruhegeist setzt sich immer wieder neue Herausforderungen – nicht nur im Beruflichen. Vor dem Vierzigsten lief er den Marathon von New York, vor dem Fünfzigsten überquerte er den Atlantik in einem Segelboot, und vor dem Sechzigsten, also im nächsten Jahr, will er noch mal das Abitur bestehen, das er zum ersten Mal schon mit sechzehn ablegte. Sollte er zu dieser Zeit Abgeordneter sein, will er an dem Plan trotzdem festhalten. „Doch das mache ich dann ganz für mich allein, unbegleitet von Fotografen. Denn mein Privatleben ist mir heilig.“

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