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Paris : Junge Stadt der Liebe und der Leiden

Das Durcheinander, bei dem oft auch die staatlichen Bahnunternehmen SNCF und RATP mitmischen, hat eine angemessene Schnellbahn vom Flughafen Roissy-Charles de Gaulle in die Innenstadt verhindert. Wer an diesem Flughafen ankommt, einem der größten der Welt, muss sich unter den öffentlichen Verkehrsmitteln mit der S-Bahn-Linie „RER B“ begnügen, die langsam, verschmutzt und oft überfüllt ist. Seit fünfzehn Jahren planen und verschieben sie das Projekt „CDG Express“. Vielleicht bleibt es bei den Plänen, weil das Vorhaben durch eine neue Ring-Metro mit Innenstadt-Verbindungen verdrängt werden könnte, die das künftige „Grand Paris“ konzipiert. Sie kommt aber nicht mehr in diesem Jahrzehnt.

Zwei Stunden pro Tag in Auto, Bus und Bahn

So hat der Verkehr im Ballungsraum von Paris nichts mit gemütlichen Fahrradtouren an der Seine zu tun. Die Metro verstopft, die RER gestrichen, der Vorstadtzug „Transilien“ wegen eines kaputten Signals verspätet – das ist der Alltag der „Franciliens“. Im Durchschnitt verbringen sie täglich 120 Minuten in Auto, Bahn oder Bus. Außerhalb des Ballungsraumes Paris sind es nur 68 Minuten. Nach der Lebensqualität rangiert Paris in einem weltweiten Städtevergleich der Beratungsgesellschaft Mercer nur auf Rang 27. Viele Franzosen, die aus Karrieregründen nicht bleiben müssen, machen sich davon in den wärmeren Süden. Paris ist die Stadt der Liebe, des Lichts – und der Leiden.

Besonders stark zugenommen hat der Verkehr zwischen den Vorstädten, doch dafür fehlen die öffentlichen Transportachsen. Sie sind immer noch sternförmig auf die Fahrt in die Innenstadt ausgelegt, obwohl immer weniger Menschen darauf angewiesen sind. In den Banlieues lassen sich Arbeitgeber, Einkaufszentren, Universitäten und Kulturstätten nieder. Wie bei den Touristen steht die Fahrt nach Paris dann oft nur noch für das Wochenende auf dem Programm.

An all diesen Spannungen wird sich die künftige Bürgermeisterin abarbeiten – so wie ihre Vorgänger. Immerhin wird sie sich darauf verlassen können, dass Paris mit seinem Umland wohl ein wirtschaftliches Kraftzentrum bleibt. Die Region erwirtschaftet heute ein Bruttoinlandsprodukt in der Höhe der ganzen Niederlande. Als internationales Drehkreuz koppelt sie sich aufgrund ihrer Eigendynamik von der allgemeinen Wirtschaftsflaute Frankreichs ab. Menschen und Firmen ziehen weg, doch neue kommen immer wieder hinzu. Unter Immobilienexperten gilt Paris als eine sichere Bank: Die Preise bleiben hoch, und es finden sich immer Käufer. Paris, das ist ein Perpetuum mobile, das sich wirtschaftlich regelmäßig selbst erneuert. Ob es sich auch politisch neu erfindet, wird sich von Sonntag an zeigen.

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