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Oswald Metzger : Ein Ex-Grüner staunt

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Oswald Metzger Bild: dpa

Oswald Metzger, schwäbischer Ex-Grünen-Promi und inzwischen mäßig erfolgreicher CDU-Konvertit, fasst es nicht: Auf 32 Prozent kommt die grüne Anti-Stuttgart-21-Partei im Ländle in einer Umfrage. Bei der Landtagswahl, glaubt Metzger, landen die Gründen vor der SPD.

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          Oswald Metzger fasst es nicht: Auf 32 Prozent kommt die Grünen im Ländle in einer Umfrage des "Spiegels". "Hätte ich nie gedacht", staunt Metzger, der seit 2008 in der Union seinen Platz sucht. Am Freitag war er bei den Wirtschaftsjunioren in der badischen Internatsgemeinde Salem. Hauptgesprächsthema: der Bahnhof. Auf dem Wochenmarkt im heimischen Bad Schussenried muss Metzger sich zum Gemüsestand durch Gruppen wütender Achtzigjähriger kämpfen, die gegen den "brutalen" Polizeieinsatz gegen die "Stuttgart 21" Gegner wettern. Bei mittelständischen Unternehmen habe man Angst, sich öffentlich zum allseits verteufelten Großprojekt zu bekennen. "Die Grünen nutzen perfekt die Stimmung im Land aus", sagt Metzger. "Bei der Landtagswahl 2011 landen die vor der SPD, ganz sicher."

          Die Grünen, die laut der jüngsten Forsa-Umfrage auch bundesweit an der SPD vorbeigezogen sind, brächten mit Bahnhof und Atomenergie die Widerstandsseele der Menschen zum Glühen. "Außerdem fällt die Dämonisierung weg, seit die in Bund und Ländern mitregiert haben." Das Wichtigste: "Die Grünen sind ein Symbol der Eintracht. Das ist die einzige Partei, bei der es rund läuft. Die sind pragmatisch bis zum Exzess."

          Ein Urteil, das Metzger seiner neuen politischen Heimat nicht ausstellen möchte: "Die Union hat bei ,Stuttgart 21' alles falsch gemacht was sie falsch machen konnte." Das Mantra, Verträge seien einzuhalten? "Absurde Gefälligkeitsargumentation." Er selbst sei ja schon immer ein erbitterter Gegner des Projekts gewesen, auch wenn manche den einstigen grünen Finanzexperten anders in Erinnerung haben. "Nein, da gibt es kein Vertun! Ich war glasklar dagegen!" Seinem CDU-Parteichef und Ministerpräsidenten Stefan Mappus attestiert er hingegen die "Arroganz der Macht", weil der - so hat es Metzger beobachtet - auf keinen Fall von dem Megabau lassen werde. "Die nehmen die Wahlniederlage in Kauf. Bei den Parteifunktionären herrscht Bunkermentalität." Je weiter von der Funktionärsebene weg, desto größer werde aber die Kritik am Trotz des Vorsitzenden. Der solle das Projekt schleunigst stoppen, fordert Metzger: "Eine Auszeit ist der einzige Ausweg." Gegner und Regierende sollten sich an einen Tisch setzen. "Die Menschen fühlen sich betrogen, weil das Projekt so teuer wird." Neulich hat Metzger im Zug einen für den Bau Verantwortlichen aus dem Regierungspräsidium getroffen. Der raunte, die Kosten für den Bahnhof würden auf zehn Milliarden Euro steigen. "Da kommt noch einiges."

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