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Ostafrika : Der Aufschwung im Schatten des Mount Kenia

  • -Aktualisiert am

Tradition trifft Moderne: Vor Nairobis Bankenviertel Bild: Andreas Buck

In Ostafrika floriert die Wirtschaft. Während in Deutschland Spendenaufrufe das Afrika-Bild prägen, stürzen sich dort wagemutige Unternehmer ins Geschäft.

          Kinga hat seine Vorstellung von der Welt: „Mombasa, das ist Afrika“, sagt der Touristenführer am Strand des kenianischen Badeorts. „Aber Nairobi, das ist Europa.“ Zu hektisch, laut und umtriebig ist die Hauptstadt Kenias in seinen Augen. „In Nairobi, da geht es doch nur um Geld und Business.“ Und in der Tat geht ein Riss durch Kenia, ein Riss, der nicht entlang von Arm und Reich verläuft, sondern zwischen den Geschäftsleuten, den „Business Men“, und den anderen wie Kinga.

          In seinem ausgebleichten T-Shirt mit Sonnenbrille und Rasta-Locken durchstreift er Tag für Tag das Riff vor dem Strand von Mombasa auf der Suche nach Touristen, die eine Segeltour unternehmen wollen oder einen Ausflug zu den Korallenriffs. Stolz zeigt er seinen Plastikausweis, der ihn zum amtlichen Touristenführer macht. „Langsam, aber sicher.“ Routiniert spricht er mit breitem Grinsen die Deutschsätze auf, die er im Laufe der Jahre gelernt hat. „Eile mit Weile.“

          Vom Boom profitieren viele

          Die Bruchlinie in Kenia verläuft zwischen den alten Strukturen, die vom Geld der Touristen aus Europa und ihrer Entwicklungshilfe geprägt sind, und den neuen, mutigen Unternehmern. Seitdem der ehemalige Oppositionspolitiker Mwai Kibaki in den Wahlen von 2002 den langjährigen Autokraten Daniel arap Moi als Staatspräsident ablöste, wirkt auch die Wirtschaft zunehmend wie befreit. Auf magere 1,1 Prozent belief sich 2002 noch das Wirtschaftswachstum. In den Jahren danach wuchs das Bruttoinlandsprodukt jedes Jahr um mehr als 5 Prozent. Allein im Krisenjahr 2008 ging das Wachstum auf 4,1 Prozent zurück, im Folgejahr auf 2,6 Prozent.

          Vom Wirtschaftsboom im Schatten des Mount Kenya profitieren viele. Früher waren Unternehmer vor allem dann in Afrika erfolgreich, wenn sie nahe an den Herrschenden waren. Doch heute entstehen Konsummärkte, die jedem offenstehen. Edward Mureithi ist einer jener Unternehmer, die am Aufschwung, der das Land erfasst hat, teilhaben. Er ist Bauunternehmer im vornehmsten Viertel Nairobis, in Karen. Dort, wo die dänische Schriftstellerin Karen Blixen ihre Farm besaß und ihr Weltroman „Out of Africa“ spielt, ist eine vornehme Villenkolonie entstanden.

          Engpässe auf dem Immobilienmarkt

          „Ich könnte mein Geschäft mühelos verdoppeln“, sagt Edward. Denn viele Afrikaner wollen, wenn sie zu Geld kommen, in Immobilien investieren. Regelmäßige Mieteinnahmen gelten in einem Land, in dem es keine Sozialversicherung gibt, als beste Absicherung fürs Alter. Das Einzige, was Edward zur schnelleren Expansion fehlt, ist zusätzliches Kapital.

          Denn wie in vielen afrikanischen Metropolen herrschen auch auf dem Immobilienmarkt in Nairobi enorme Engpässe. Da ist zum einen der demographische Druck: 4,9 neugeborene Kinder kamen im Jahr 2008 laut CIA World Factbook auf eine Frau. 42 Prozent der Kenianer sind zudem jünger als 15 Jahre. Zum andern entsteht eine Mittelschicht, die bessere Wohnungen auch bezahlen kann.

          Wagemutige Unternehmer stürzen sich ins Geschäftsleben

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