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Ostafrika : Der Aufschwung im Schatten des Mount Kenia

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Als ein solcher Vertreter der Mittelschicht sieht sich Peter Kahihu. Er war Finanzvorstand einer der größten Banken des Landes. Und dennoch machte er sich lieber selbständig und gründete Wanji's Food. Das Unternehmen stellt Aperitivsnacks her. Er wohnt in einer großzügigen Wohnsiedlung in Lavington, einem der besseren Viertel von Nairobi. Seine Kinder gehen auf eine internationale Schule und sprechen Englisch mit amerikanischem Akzent. Neben seinem Mercedes der E-Klasse gönnt er sich einen geräumigen Landrover.

„Die Nachfrage nach lokalen Lebensmitteln, die auf internationalem Standard sind, ist enorm“, erzählt Kahihu, ein dynamischer Mittvierziger mit kurz geschorenem Haar. „Ich könnte mein Geschäft leicht über den Kontinent ausdehnen.“ Sein größtes Hindernis: Ihm fehlt das Kapital für Fernsehwerbung, damit er die Marke Wanji's Food in ganz Afrika bekannt machen kann. In Kenia selbst hat er die erste wichtige Hürde schon genommen: Alle Supermarktketten stellen seine Snacktüten ins Regal.

Während in Deutschland Spendenaufrufe das Afrika-Bild prägen, entsteht ein anderes Bild des Kontinents: Wagemutige Unternehmer stürzen sich ins Geschäftsleben, gründen Unternehmen, erschließen neue Märkte und geben dem Wort „Risikofreude“ seine ursprüngliche Bedeutung zurück. Das betriebswirtschaftliche Wissen ist häufig da, die Märkte entstehen, und auch der Wille, die versäumten Jahre des Stillstands aufzuholen. Allein das Kapital fehlt.

„Die deutsche Wirtschaft kommt in Kenia nicht in die Pötte“

Der Optimismus in Kenia geht weitgehend an der deutschen Industrie vorbei. „Die deutsche Wirtschaft kommt in Kenia einfach nicht in die Pötte“, sagt Margit Hellwig-Boette, die deutsche Botschafterin in Nairobi. „Andere Länder sind da schneller und risikofreudiger.“ Und in der Tat dominieren asiatische Unternehmen aus China, Indien, selbst Malaysia, Indonesien und Thailand die Wirtschaft Kenias, selbst in Branchen wie dem Maschinenbau, in denen deutsche Hersteller den Weltstandard setzen.

Dabei bringen sie sich möglicherweise um eine einmalige Chance. Kenia selbst hat zwar nur 38 Millionen Einwohner. Doch zusammen mit ihren Nachbarländern plant die Regierung, Ostafrika zu einer Wirtschafts- und Währungsunion nach europäischem Vorbild zusammenwachsen zu lassen. Dann entstünde hier ein 120 Millionen Konsumenten großer Markt. Dabei sind die Investoren aus dem kommunistischen Riesenreich immer weniger willkommen in Afrika. Sie stehen im Ruf, nur zum eigenen Vorteil zu investieren. Häufig sind die geschenkten Autobahnen, die sie bauen, von schlechter Qualität. Und schon jetzt wird um riesige Infrastrukturaufträge gerungen. Denn in Uganda sind große Ölvorkommen entdeckt worden, die eines Tages durch Kenia an die Küste transportiert werden sollen. Dazu sind Pipelines, Straßen, Eisenbahnlinien und ein neuer Hafen notwendig.

Mit solchen Projekten könnte die deutsche Wirtschaft gute Geschäfte machen, wirbt Hellwig-Boette. Die Solarbranche entwickelt sich rasant, auch Windparks entstehen überall, zuletzt auf den Ngong-Bergen vor Nairobi, die Karen Blixen oft in ihren Romanen beschrieb. Finanzdienstleistungen entwickeln sich rasant. Selbst Mittelständler, von denen es niemand gedacht hätte, melden Erfolge. So ist der Bleistifthersteller Staedtler Mars GmbH & Co KG in Nürnberg in Kenia bestens eingeführt. „Ganz erfolglos sind wir auch nicht“, meint Hellwig-Boette schmunzelnd.

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