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Ost- und Westdeutschland : In Gesundheit vereint

Die Fettleibigkeit hat vor allem im Westen zugenommen und sich dem Ost-Niveau angepasst Bild: Dieter Rüchel / F.A.Z.

Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer sind die einst großen Unterschiede in der Gesundheit bei Ost- und Westdeutschen weitgehend verschwunden. Die Lebenserwartung in Ost und West ist nun ähnlich hoch. Es gibt aber auch Verschlechterungen: Zum Beispiel mehr Fettleibigkeit in Westdeutschland.

          Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer sind die einst großen Unterschiede in Gesundheit und Lebenserwartung bei Ost- und Westdeutschen weitgehend verschwunden, dagegen treten Wohlstand und Armut als Indikatoren für die gesundheitliche Entwicklung immer stärker in den Vordergrund. Zu dem Ergebnis kommt ein am Montag von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) als letzte öffentliche Amtshandlung vorgelegter Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI).

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die meisten der kurz nach der Wiedervereinigung festgestellten Unterschiede seien als Folge der Angleichung der Lebensverhältnisse verschwunden, „was einen Erfolg darstellt.“ Vielfach hätten sich die ostdeutschen an die besseren westdeutschen Verhältnisse angepasst, im Vergleich zu denen in anderen Ländern des früheren sowjetischen Einflussbereichs hätten sie sich stark verbessert.

          So habe die Lebenserwartung ostdeutscher Frauen 2006 gegenüber 1990 um 6,2 Jahre auf das westdeutsche Niveau von knapp 83 Jahre zugelegt und damit weit stärker als die der Polinnen mit 4,1 Jahren und die der Tschechinnen mit 4,5 Jahren. Bei den Männern lag die Lebenserwartung mit 76 Jahren zwar anderthalb Jahre unter der im Westen. Aber der Zugewinn an Lebenszeit gegenüber 1990 betrug in den neuen Ländern 6,1 Jahre und war damit größer als der der Polen mit 4,4 Jahren und der der Tschechen mit 5,9 Jahren.

          Mehr Dicke im Westen

          In dem Papier werden viele Bereiche genannt, in denen es zu einer Angleichung auf günstigerem Niveau gekommen sei: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Unfälle, Lungenkrebs bei Männern, Selbstmorde, Impfungen. Er zeigt aber auch Verschlechterungen. So habe die Fettleibigkeit vor allem im Westen zugenommen und sich in der Tendenz dem Ost-Niveau angepasst, sagte RKI-Abteilungsleiterin Bärbel-Maria Kurth. Negativ sei die Entwicklung des Alkoholkonsums in Ost und West. Mehr ostdeutsche Frauen griffen seit der Maueröffnung zur Zigarette, was sich beim Lungenkrebs niederschlage.

          Entscheidend für Gesundheit seien nicht mehr die Region, in der die Menschen lebten, sondern ihr sozialer Status, sagte Kurth. Arme ernährten sich ungesünder und hätten mehr Gesundheitsprobleme als Menschen aus wohlhabenderen Familien. Schmidt sah darin einen Beleg dafür, dass der Staat mehr für die Vorsorge tun müsse. Dass ihr dies als Ministerin nicht gelungen sei, bedauere sie sehr. Auch an anderer Stelle äußerte sie Bedauern. „Ich war immer der Meinung, dass wir nach der Einheit die (DDR-)Polikliniken zu Zentren der Gesundheitsversorgung hätten ausbauen sollen.“

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