https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/olli-rehn-waehrungskommissar-fuerchtet-abwertungswettlauf-12056953.html

Olli Rehn : Währungskommissar fürchtet Abwertungswettlauf

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

EU-Währungskommissar Olli Rehn hat vor einem Abwertungswettlauf der Weltwährungen gewarnt. In Währungsfragen müssten sich die Staaten besser koordinieren.

          1 Min.

          EU-Währungskommissar Olli Rehn fürchtet zwar keinen Zerfall der Eurozone, wohl aber einen Abwertungswettlauf wichtiger Währungen. Die Euro-Staatsschuldenkrise werfe zwar vor allem im sozialen Bereich noch Schatten, sagte Rehn dem österreichischen Magazin „Profil“ in einem am Samstag vorab veröffentlichten Interview. „Aber das Horrorszenario, also der Zerfall der Eurozone, ist gebannt.“ Was die Gefahr eines Währungskrieges angehe, bekannte Rehn: „Ich
          erkenne die Gefahr einer kompetitiven Abwertung“. Notwendig seien daher Reformen im Weltwährungssystem und eine bessere Koordinierung in Währungsfragen im Rahmen von G7, G20 oder IWF.

          Vor allem die deutliche Lockerung der japanischen Geld- und Fiskalpolitik, in deren Folge der Yen nachgab, hat Sorgen vor einem Währungskrieg angefacht. Frankreichs Präsident Francois Hollande hatte angesichts eines kräftigen, wenn auch nur vorübergehenden, Kursanstiegs des Euro eine aktive Wechselkurspolitik im Euro-Raum gefordert. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi hatte daraufhin erklärt, man werde den Euro-Kurs genau beobachten - was diesen  auf Talfahrt schickte. Hollande zeigte sich in Brüssel von Draghis Äußerungen und ihren Folgen hocherfreut.

          Währungskommissar Olli Rehn.
          Währungskommissar Olli Rehn. : Bild: AFP

          Rehn sagte nun, die Kommission habe Japan erst kürzlich vor Schritten in Richtung Yen-Abwertung gewarnt, die den Exporten des Landes helfen würden. Er zitierte eine Studie, nach der ein stärkerer Euro vor allem die südlichen Euro-Länder negativ treffen würde. Deutschland und andere Staaten Zentral- und Nordeuropas dagegen könnten das verkraften.

          In der Euro-Schuldenkrise machte Rehn Fortschritte selbst in Griechenland aus. Die Länder müssten aber auf Reformkurs bleiben. Der Kampf gegen die Krise sei noch nicht gewonnen. „Es ist eine sehr fragile Situation“, warnte Rehn mit Blick auf neue Unruhen an den Märkten wegen politischen Unsicherheiten in Spanien und Italien. Bis zu einem Abklingen der sozialen Krisenfolgen werde es noch längere Zeit dauern.

          Beim Euro-Krisenfall Zypern kündigte Rehn eine harte Haltung an. „Da wird es sehr strenge Auflagen geben“, sagte er. „Es ist enorm wichtig, dass Zypern einen Staatsbankrott und einen Euro-Austritt vermeidet.“ Das Land selbst müsse einiges tun - etwa stärker gegen Geldwäsche und Steuerflucht vorgehen. Kritisch äußerte sich Rehn über den Kompromiss im EU-Budgetstreit. Er beklagte einen Trend, der EU zwar immer neue Aufgaben zu geben, aber sie nicht ausreichend mit Mittel auszustatten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Scholz und Biden mit Scholz’ Frau Britta Ernst am Sonntag auf Schloss Elmau

          G-7-Gipfel : Biden beschwört Einigkeit des Westens

          Der amerikanische Präsident Joe Biden hat vor einem Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz die Einigkeit des Westens beschworen. „Wir müssen zusammenstehen“, sagte Biden.
          Archivbild von 1968: Streikende Arbeiter und Mitglieder der CGT-Gewerkschaft in der Werkhalle von Renault in Boulogne-Billancourt

          Aktienmärkte : Eine neue Ära bricht an

          Ist das Zeitalter der Globalisierung und strukturell steigender Aktienmärkte vorbei? Viele Strategen gehen davon aus. Nur über die Tragweite gegen die Meinungen auseinander.
          Klimaaktivistin Greta Thunberg hält beim Glastonbury Festival eine Rede.

          Glastonbury : Ein Festival sucht den politischen Diskurs

          Das Glastonbury-Festival ist in diesem Jahr politisch wie eh und je: Wolodymyr Selenskyj hält eine Rede per Video, Phoebe Bridgers kritisiert den US-Abtreibungsentscheid und Greta Thunberg mahnt, dass starre Systeme mehr Klimaschutz verhindern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.