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Olivenöl in Restaurants : Schnelle Kännchen-Wende der EU-Kommission

  • Aktualisiert am

Restaurants dürfen nun doch weiter nachfüllbare Olivenöl-Flaschen verwenden Bild: dpa

Erst wollte die EU nachfüllbare Olivenöl-Flaschen in Restaurants verbieten. Nun zieht der zuständige Kommissar den kuriosen Vorschlag zurück. Er sei überrascht gewesen von der öffentlichen Kritik - sagt er.

          Gerade erst hat die EU-Kommission nachfüllbare Olivenöl-Flaschen in Restaurants verboten. Weil das ebenso kurios war wie es öffentlich kritisiert wurde, setzt sie nun zur Kännchen-Wende an: Nach Protesten in mehreren EU-Ländern kippt sie das gerade ausgesprochene Verbot schon wieder. Der Vorschlag sei in der Öffentlichkeit nicht auf ausreichende Unterstützung gestoßen, deshalb ziehe er ihn zurück, erklärte EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos in Brüssel. Die Kommission wollte ursprünglich nur noch Einwegflaschen mit Etiketten zu Herkunft und Qualität des Öls in den Gaststätten zulassen.

          Die Verbraucher müssten davor geschützt werden, dass ihnen schlechteres Öl untergeschoben werde, als das Flaschenetikett verspricht, lautete die Argumentation. „Das Ziel war, die Qualität zu steigern und nicht die Produktion von Olivenöl“, wehrte sich Ciolos gegen Vorwürfe, er habe mit seinem Vorschlag nur den Lobbys aus südeuropäischen Produktionsländern nachgegeben, die durch die Einwegpflicht auf höheren Absatz hofften.

          In einigen Oliven-Anbauländern sei die Etikettenpflicht schon üblich, sagte Ciolos. Doch habe er wohl zu wenig mit Vertretern der Verbraucherländer und Konsumentenschützern über den Zweck seines Vorstoßes gesprochen.

          Die EU-Kommission konnte jetzt allein über das Schicksal der Öl-Kännchen entscheiden, weil nur 15 Länder dafür gestimmt hatten und die notwendige qualifizierte Mehrheit für einen Beschluss der Mitgliedstaaten damit nicht zustande kam. Die Bundesregierung hatte dagegen gestimmt. „Besser eine späte Einsicht als keine“, begrüßte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner nun den Rückzug von Ciolos. Das Öl-Kännchenverbot hätte unnötige Bürokratie verursacht, der Verpackungsmüll hätte zugenommen und es wäre mehr Öl aus angebrochenen Flaschen weg geschüttet worden. Ciolos kündigte jedoch an, sich mit allen Kritikern abermals zu beraten, um einen neuen Vorschlag zu machen.

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