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Ohne Entwicklungshilfe : Jetzt sollen die Kapitalisten Afrika retten

Bild: F.A.Z.

Jahrzehnte der Entwicklungshilfe haben Afrika noch ärmer gemacht. Jetzt entdecken private Investoren den schwarzen Kontinent. Sie kaufen Firmen, investieren an den Börsen und beliefern die kleine, konsumhungrige Mittelschicht. Daraus könnte eine große Wachstumsgeschichte werden.

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          Der erste Anblick macht wenig Mut. Er bestätigt genau das Bild, das sich Europäer vom armen Afrika machen: Menschen in Lehmhütten, holprige Straßen, ein primitiver Holzpflug auf dem Acker - das erwartet den Reisenden, der im zentralafrikanischen Ruanda aufs Land fährt.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch die Hauptstadt Kigali bietet ein anderes Bild: gut ausgebaute Straßen, neue Wohnviertel, in die auch Deutsche ziehen würden, das erste Bürohochhaus und die Baustelle eines Kongresszentrums. Glasfaserkabel wird in der Stadt verlegt. Von vielen Slums bleiben nur noch Reste. Sie wurden abgerissen, um Platz für neue Häuser mit Wasser- und Stromanschluss zu schaffen.

          Kigali steht für den Aufbruch, den Ruanda und andere zentralafrikanische Staaten anstreben. Das Land, 1994 Schauplatz eines Völkermordes mit einer Million Toten und einer der ärmsten Staaten Afrikas, will die blutige Vergangenheit abstreifen und der Armut entfliehen. Da Ruanda vergleichsweise wenig Rohstoffe besitzt, muss es auf andere Weise Geld verdienen.

          Inflation halbiert

          "Wir wollen zu einem Dienstleistungszentrum für die Region werden", sagt Staatspräsident Paul Kagame und träumt von einem Singapur Afrikas. Neue Büros, eine moderne IT-Infrastruktur, eine Bahnlinie und ein größerer Flughafen sollen dafür entstehen. Das Land wirbt mit Steueranreizen, investorenfreundlichen Gesetzen sowie weniger Korruption und mehr Sicherheit als in den Nachbarstaaten.

          Ähnlich kühne Pläne schmieden viele in der Region südlich der Sahara und nördlich von Südafrika. Hier ist der Kontinent besonders arm. Wieder einmal hoffen die Länder, aus der Krise zu kommen. Es gelang noch nie. Aber diesmal sind die Chancen größer - mit privaten Investoren, ganz ohne die Geschenke von Entwicklungshelfern.

          Die Bedingungen sind gut, denn die Auslandsverschuldung der Region ist stark zurückgegangen. Die Inflation hat sich seit den neunziger Jahren halbiert, und die Länder haben ihre Gesetze marktwirtschaftlicher gestaltet. So wird Zentralafrika auch für private Investoren aus Industrieländern interessant.

          Die Region könnte eine Erfolgsgeschichte werden, wie sie China und Indien, die asiatischen Tigerstaaten Südkorea oder Taiwan, aber auch die Schwellenländer Lateinamerikas seit vielen Jahren schreiben. Wer dort früh investiert hatte, kann sich heute über astronomische Gewinne von mehreren tausend Prozent freuen.

          Darauf hoffen Anleger, wenn sie jetzt vermehrt in Afrika einsteigen. Auf diesem Kontinent könnte sich die Wachstumsgeschichte der Schwellenländer wiederholen. Und so werden immer neue Fonds und Zertifikate mit Anlageschwerpunkt im Afrika südlich der Sahara aufgelegt. Und immer mehr Unternehmen kaufen sich dort ein. Noch nie stand der Erdteil stärker im Fokus privater Investoren.

          „Diesmal glaube ich wirklich daran“

          Sie könnten den Fortschritt bringen, den die Entwicklungshilfe seit Jahrzehnten sucht, aber nicht findet. Trotz Hilfen von mehr als einer Billion Dollar in den vergangenen 50 Jahren ist der Wohlstand Afrikas gegenüber dem Rest der Welt weiter zurückgefallen. In seiner Entwicklung hinkt der Kontinent sogar dem eigenen Stand zum Ende der Kolonialzeit in den 60er Jahren hinterher, als afrikanische Länder noch reicher waren als die heute so erfolgreichen asiatischen Staaten. Heute macht der Anteil Afrikas am Welthandel gerade noch etwa ein Prozent aus.

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