https://www.faz.net/-gqe-11oul

Ohne Entwicklungshilfe : Jetzt sollen die Kapitalisten Afrika retten

Daher kommt die neue Hoffnung für Zentralafrika auch weniger aus der Entwicklungshilfe der Industriestaaten, die demnächst noch massiv aufgestockt werden soll. Hoffnung macht das private Geld, das zunehmend auf den Kontinent strömt: durch Beteiligungsgesellschaften wie die deutsche Altira-Gruppe, die sich in lokale Unternehmen einkaufen. Durch große und kleine Anleger, die sich über Fonds und Zertifikate an lokalen Börsen engagieren. Durch Überweisungen der steigenden Zahl afrikanischer Gastarbeiter im Ausland. Und immer mehr auch durch westliche Unternehmen, die in Afrika Tochtergesellschaften gründen.

Sie alle investieren in Afrika südlich der Sahara, weil sich in den vergangenen Jahren vieles positiv verändert hat. „Diesmal glaube ich wirklich daran, dass Afrika es schaffen kann“, sagt Alistair Newton, ehemaliger außenpolitischer Berater des früheren britischen Premiers Tony Blair. Das Wirtschaftswachstum in Subsahara-Afrika liegt seit mehreren Jahren über fünf Prozent. Im Krisenjahr 2009 wird es zwar leiden, vor allem in den Ländern, die stark von Rohstoffen abhängen. Denn deren Preise sind stark gefallen. Aber schon im nächsten Jahr wird die Region wieder um mehr als vier Prozent wachsen, schätzen Ökonomen. Mehr schafft nur Asien (siehe Grafik).

Die Region ist auch sicherer geworden, weil sie weniger militärische Konflikte erleidet und die politischen Systeme in einigen Staaten demokratischer und weniger korrupt geworden sind. Ein friedlicher Machtwechsel nach knappem Wahlausgang wie in Ghana in diesem Januar war früher undenkbar. Und Ghana schafft ihn zum zweiten Mal. Auch diese Stabilität brauchen westliche private Investoren.

Sie konkurrieren zunehmend mit staatlichen Gesellschaften aus China, Indien und Russland, die sich in Afrika einkaufen, um sich die vielen Bodenschätze des Kontinents für den eigenen Aufschwung zu sichern. Der Erdteil ist reich an Rohöl, Gold, Diamanten und Kupfer sowie Agrargütern wie Kakao, Kaffee und Tee (siehe Karte).

Zwei Milliarden Menschen leben in Afrika

Kein Wunder, dass sich der afrikanische Export nach Asien zwischen 2006 und 2008 schon verdoppelt hat. Auch das hat - verbunden mit steigenden Rohstoffpreisen - das afrikanische Wirtschaftswachstum befeuert. Deshalb profitieren die rohstoffreichen Länder am stärksten vom zunehmenden außerafrikanischen Interesse.

Das hat einen großen Nachteil: Gerade die Petrodollars halten viele diktatorische Regime an der Macht. Diese schaffen die Einnahmen lieber auf die eigenen Privatkonten, als sie im eigenen Land zu investieren. Ein Beispiel ist Äquatorial-Guinea. Seit dort in den 90er Jahren Öl gefunden wurde, ist das Land statistisch zum reichsten Staat Afrikas aufgestiegen. Aber das Volk ist arm, die Infrastruktur schlecht ausgebaut. Das Gegenbeispiel ist Botswana, das trotz riesiger Diamanten- und Nickel-Förderung eine stabile, wenig korrupte Demokratie etabliert hat.

Aber erste Investoren denken auch über Rohstoffe hinaus. Das starke Bevölkerungswachstum in Afrika lässt einen riesigen Markt entstehen. 2050 werden auf dem ganzen Kontinent zwei Milliarden Menschen leben und damit wahrscheinlich mehr als in China. Zudem entsteht eine kleine, aber wachsende Mittelschicht, die konsumieren will. Das zeigt die Erfolgsgeschichte des Unternehmers Mo Ibrahim, der 25 Millionen Afrikaner mit einem Handy versorgte und daran gut verdiente.

Ausländer konzentrieren sich nun verstärkt auf Finanzdienstleister. Die sitzen im Zentrum der Entwicklung und profitieren über die Kreditvergabe von der wachsenden Konsumfreude sowie dem Ausbau der Infrastruktur. So haben auch Länder ohne üppige Rohstoffvorräte die Chance, von Afrikas Aufschwung zu profitieren. Sie werden es zwar schwerer haben als die Staaten, die im Öl baden. Aber immerhin haben sie eine Chance. Wie Ruanda. SAP will dort eine Niederlassung aufbauen. Gut, dass es jetzt Glasfaserkabel in Kigali gibt.

Private Investitionen in Afrika: Fünf Wege

Spenden. Das ist der klassische Weg des privaten Engagements, das zu Weihnachten Hochkonjunktur hat. Spenden haben den Hunger reduziert und kleine lokale Projekte wie eine Schule oder eine Krankenstation unterstützt. Sie haben aber Afrika nicht von seiner Armut befreit.

Mikrokredite. Die Idee stammt von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Durch sie erlangen viele Arme in Afrika einen Kredit, den sie von einer normalen Bank wegen fehlender Sicherheiten nicht bekämen. Die Zinsen sind mit bis zu 40 Prozent sehr hoch, das Geld wird oft per Kurier durchs Land gefahren. Trotzdem wird es zu 98 Prozent zurückgezahlt. Das Kapital stammt immer öfter aus westlichen Industrieländern, die es über Mikrokreditfonds eingesammelt haben.

Unternehmensbeteiligung. Einige Finanzinvestoren kaufen mit dem Kapital ihrer westlichen Kunden Anteile von erfolgversprechenden afrikanischen Unternehmen wie Banken, Bauunternehmen oder Energieversorgern. Die Renditen sind üppig, die deutsche Altira-Gruppe strebt zum Beispiel im Durchschnitt mindestens 40 Prozent im Jahr an bei Haltezeiten von fünf Jahren und mehr. Die Risiken sind aber nicht zu unterschätzen. Die Ausbildung der Mitarbeiter ist oft schlecht und eine langwierige Schulung nötig. Die IT-, Energie- und Verkehrsinfrastruktur ist unzureichend. Häufige Stromausfälle und hohe Transportkosten zehren dann an der Profitabilität. Auch politische Risiken wie Enteignung bestehen. Altira hat sich vor Letzterem durch eine Versicherung der Weltbank geschützt.

Auslandsinvestitionen. Zunehmend entdecken Unternehmen aus den Industrieländern die Marktchancen in Afrika. Sie gründen Tochtergesellschaften oder beteiligen sich an lokalen Unternehmen. Strabag und Bilfinger-Berger sind zum Beispiel in Ruanda aktiv, dort will auch der Softwarekonzern SAP eine Niederlassung aufbauen.

Aktienfonds und Zertifikate. Privatanleger können sich nur schwer direkt an afrikanischen Aktien beteiligen. Es ist auch nicht ratsam, denn die Liquidität an Afrikas Börsen ist sehr gering, vor allem außerhalb der Börse von Südafrika. Und ein Kauf von Aktien würde hohe Gebühren kosten. Dafür steigt die Zahl der Afrika-Fonds, in die auch mit wenig Geld angelegt werden kann. Sie legen breitgestreut an. So breit, dass es kaum möglich ist, nur in den zentralafrikanischen Ländern zu investieren. Denn fast alle Fonds haben auch Südafrika mit im Portfolio, andere auch die afrikanischen Mittelmeerländer oder sogar die Golfstaaten. Zertifikate fokussieren manchmal etwas stärker.

Das ist aber auch riskanter, besser ist eine breite Streuung auf viele Länder. Eine Geldanlage in Afrika sollte wegen des Risikos ohnehin nur eine Beimischung im Depot sein. Die Finanzkrise hat gezeigt, wie schnell die Ausländer in unsicheren Zeiten das Geld wieder abziehen (siehe Grafik). 2009 kamen sie allerdings auch schon wieder. Denn die Gewinnchancen sind hoch. (dys.)

Weitere Themen

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.