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Offshore-Windparks : Die Baustellen auf See kommen zügig voran

  • -Aktualisiert am

Der Offshore-Park „Meerwind“ bei Helgoland ist bereits vollständig am Netz. Bild: dpa

Jahrelang haben die Windparks in der deutschen Nord- und Ostsee vor allem durch Bauverzögerungen und Kostensteigerungen von sich reden gemacht. Nun sieht die Industrie den Wendepunkt erreicht.

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          Jahrelang haben die Windparks in der deutschen Nord- und Ostsee vor allem durch Bauverzögerungen, fehlende Netzanschlüsse und Kostensteigerungen von sich reden gemacht, aber nun sieht die Industrie den Wendepunkt erreicht. „Wir gehen jetzt in den normalen Installationsbetrieb wie in der Öl- und Gasindustrie, wir haben Anschluss gefunden an die anderen europäischen Offshore-Märkte“, erklärte Norbert Giese, Vorstandsmitglied der Stiftung Offshore Windenergie, anlässlich der Jahresbilanz der Branche. Im vergangenen Jahr wurden erstmals in größerer Stückzahl Windturbinen in der deutschen See errichtet und auch ans Netz angeschlossen, „und 2015 wird das  mit absoluter Sicherheit noch mal überboten“, betonte Klaus Meier, der Vorstandsvorsitzende der Windenergie-Agentur, einer Lobby-Vereinigung der Offshore-Industrie.

          Als großer Leuchtturm dient der Branche das von der Bundesregierung vorgegebene Ziel, im Jahr 2020 Windturbinen mit einer Gesamtkapazität von insgesamt 6500 Megawatt in der Nord- und Ostsee errichtet zu haben. Im vergangenen Jahr gingen zwei große Offshore-Parks (Riffgat und Meerwind) vollständig ans Netz, drei weitere Parks (Dan Tysk, Global Tech 1 und Nordsee Ost) haben erste Turbinen angeschlossen. Insgesamt wurden 2014 damit 142 Meereswindturbinen mit einer Gesamtleistung von knapp 530 Megawatt neu angeschlossen, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr, betonte  Meier. In der deutschen See war damit zum Jahresende eine Kapazität von 1050 Megawatt am Netz – das entspräche im Dauerbetrieb etwa einem Atomkraftwerk. Offshore-Turbinen in der Nordsee erreichen  4000 bis 4500 Betriebsstunden im Jahr.

          1 Gigawatt ist bereits am Netz

          Zudem wurden im vergangenen Jahr 268 Meereswindturbinen errichtet, die nun angeschlossen werden sollen, sowie 211 Fundamente, auf denen bald die Türme und Turbinen aufgebaut werden. „Es gibt  keine Pionierprojekte mehr mit Bauzeiten von 3 bis 4 Jahren, die Errichtung findet nun innerhalb von zwei Jahren statt“, sagte Meier, der auch Aufsichtsrat des größten deutschen Windparkprojektierers Wpd AG ist.
          Bis zum Ende dieses Jahres soll nun rund die Hälfte der  geforderten 6500 Megawatt gebaut und am Netz sein. Von den dann noch verbleibenden gut 3200 Megawatt sei der größte Teil ebenfalls durch entsprechende Investitionszusagen gesichert, sagte Meier.

          Die jüngste Reform des Erneuerbare Energien Gesetzes habe dafür die Grundlage geschaffen. Rund 5 bis 6 Milliarden Euro an Investitionen seien für die Zeit nach 2015 beschlossen, damit werde rund 80 Prozent des Ausbauziels erreicht. Für die noch fehlenden 20 Prozent gebe es allerdings weiterhin offene Fragen rund um die Netzanbindung, räumte Meier ein. Ein Fehler der Vergangenheit war, die Parks und deren Verkabelung ans Land nicht gut  zu koordinieren. Jetzt soll das von der Bundesnetzagentur in Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber Tennet nach Clustern gesteuert werden, und zwar bedarfsgerecht. „Bis sich das eingespielt hat, dauert es noch ein bis zwei Jahre, aber die Projekte und Tennet haben sich weitgehend harmonisiert“, betonte Giese, im Hauptberuf Vorstandsmitglied des Turbinenherstellers Senvion.

          Mit Sorge blickt die Branche allerdings auf eine Veränderung, die nach 2019 auch die Offshore-Windenergie erfassen soll. Bis dahin gelten die jetzigen garantierten Vergütungssätze von rund 19 Cent je Kilowattstunde in den ersten Jahren, danach soll der Vergütungssatz aber durch ein Ausschreibungsmodell ermittelt werden - wie auch in den anderen erneuerbaren Energiequellen. Erste Tests laufen derzeit mit Solarstrom, aber die Offshorebranche warnt, dass sich die Ergebnisse daraus kaum auf ihre Belange übertragen ließen. Denn zum einen haben die Großkraftwerke auf See ein viel längere Bau- und Planungszeit von 6 bis 8 Jahren, zum anderen sind die Investitionssummen  – meist 1 bis 1,5 Milliarden Euro je Park – um ein Vielfaches höher als an Land. „Wir stehen dem Instrument Ausschreibungen daher mit einigem Zweifel gegenüber“, sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie.

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