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Offshore-Leaks : Verwandtschaft in der Zentralbank

Wie viele Yuan liegen auf Steueroasen? Bild: dpa

Eigentlich dürfen Chinesen nur 50.000 Dollar im Jahr über die Grenze bringen. Man kann sich aber ausmalen, dass die Führungselite dennoch Wege findet, um Milliarden in Steueroasen zu parken.

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          Zum zweiten Mal innerhalb von 15 Monaten geraten die Familien chinesischer Spitzenpolitiker in den Verdacht, auf zweifelhafte Weise Geld angehäuft und außer Landes gebracht zu haben. Darin verwickelt seien unter anderem ein Schwager von Partei- und Staatschef Xi Jinping sowie der Sohn, die Tochter und der Schwiegersohn des ehemaligen Regierungschefs Wen Jiabao, geht aus dem sogenannten „Offshore Leaks“-Datensatz hervor, der einem internationalen Journalisten-Konsortium zugespielt wurde.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Wie haben sie das gemacht? In China gelten strenge Kapitalverkehrskontrollen. Eigentlich. So ist es Privatpersonen nicht gestattet, mehr als 50.000 Dollar im Jahr über die Grenze zu bringen. Auch ist die Landeswährung Renminbi (Yuan) nicht frei handelbar. Größere Transaktionen muss die Zentralbank genehmigen.

          Bild: F.A.Z.

          Man kann sich nun ausmalen, dass Chinas Führungselite diese Schwierigkeiten zu umgehen weiß, nicht zuletzt über persönliche Beziehungen. So ist einer der aktuell genannten Geschäftemacher der Schwiegersohn eines ehemaligen Zentralbankdirektors.

          Angeblich fließt jedes Jahr Kapital von 100 Milliarden Dollar illegal aus China ab. Die Steuerverluste der chinesischen Regierung hätten in den vergangenen zehn Jahren bis zu 3000 Milliarden Dollar betragen.

          Die neuen Berichte zu den Offshore-Geschäften bringen neben der aktuellen und ehemaligen Führungsspitze viele  prominente Familien des so genannten roten Adels in Verbindung mit Scheinfirmen und dubiosen Finanzkanälen. Genannt werden unter anderem die Tochter des ehemaligen Regierungschefs Li Peng, ein Neffe zweiten Grades von Ex-Staatschef Hu Jintao sowie ein Schwiegersohn des früheren Reformers und starken Mannes Deng Xiaoping.

          Insgesamt soll die Liste fast 22.000 Namen aus der Volksrepublik und Hongkong umfassen. Es gehe um mehr als 120.000 Scheinunternehmen und Trusts in Steueroasen wie den Britischen Jungferninseln, den Cayman-Inseln und Samoa, heißt es.

          Die Gründung solcher Unternehmen ist legal, doch legen die Berichte nahe, dass es der Geldzufluss nicht ist: Möglicherweise würden so Steuern hinterzogen oder Geld gewaschen, hieß es. Belege dafür nennen die Autoren allerdings nicht.

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