https://www.faz.net/-gqe-8v74t

Kommentar : Wenig Mumm in Wien

Österreich will Firmen belohnen, die Inländer einstellen. Aber der Vorschlag zielt am Problem vorbei. Denn Arbeit ist viel zu teuer in Österreich.

          1 Min.

          Österreich gehört zu den schärfsten Gegnern der deutschen Pkw-Maut. Sie diskriminiere Ausländer, argumentiert Wien. Jetzt prescht man selbst mit einem Vorschlag vor, der eine ähnliche Systematik erkennen lässt.

          In Österreich gemeldete Arbeitssuchende sollen bei Neueinstellungen dadurch bevorzugt werden, dass der Staat den Unternehmen die Hälfte der Sozialabgaben erlässt. Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) will damit die Arbeitslosigkeit bekämpfen und den Zuzug aus den EU-Staaten Osteuropas eindämmen. Zur Rechtfertigung verweist er ausgerechnet auf die von seiner Regierung so vehement bekämpfte deutsche Maut, die schließlich auch von der EU abgesegnet worden sei.

          Bedenklicher als diese verquaste Rhetorik ist, dass der Vorschlag am eigentlichen Problem vorbei zielt: Arbeit ist generell zu teuer in Österreich. Dem lässt sich nicht mit Staatsgeschenken für ausgewählte, aufwendig zu kontrollierende Anstellungsverhältnisse beikommen, sondern nur mit einer allgemeinen Senkung der Abgabenquote, die bisher deutlich über dem EU-Schnitt liegt. Aber für solch einen Schritt fehlt der Koalition in Wien leider der Mumm, wieder einmal.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Weitere Themen

          Österreichs nie genutztes Kernkraftwerk Video-Seite öffnen

          Zwentendorf : Österreichs nie genutztes Kernkraftwerk

          In Betrieb gegangen ist das einzige Atomkraftwerk Österreichs nie, da sich die Menschen in einer Volksabstimmung in den siebziger Jahren gegen die Kernkraft entschieden. Aus Wien kommt nun heftiger Widerstand gegen die Brüsseler Taxonomie-Verordnung.

          Topmeldungen

          Boris Johnson am Mittwoch in London

          Krise bei den Tories : Schach dem Paten

          Neue Vorwürfe gegen Boris Johnson: Diesmal sollen seine Leute Abgeordnete „eingeschüchtert“ haben, die sich für ein Misstrauensvotum stark machen. Ein Liberaldemokrat spricht von „Mafia-Methoden“.
          Viele Menschen werden nervös, wenn sie vor anderen sprechen müssen. Doch diese Angst kann auch helfen.

          Große Auftritte im Beruf : Was gegen Lampenfieber helfen kann

          Lampenfieber betrifft viele, die vor Publikum sprechen müssen – auch viele Führungskräfte. Doch dagegen gibt es Hilfe und die Erkenntnis: Die Auftrittsangst kann sogar leistungsfördernd sein.