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Österreich : Manager als Kanzler

  • -Aktualisiert am

Vom Bahn-Manager zum Kanzler: Christian Kern Bild: dpa

Ein Wirtschaftsführer als Kanzler wäre hierzulande undenkbar. Denn wie sollte ausgerechnet ein Manager das verlorene Vertrauen in die Politik wieder herstellen? Österreich ist auf dem Sprung, das Experiment zu wagen.

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          Vom Bahnchef zum Kanzler? Aus deutscher Perspektive sieht die österreichische Lösung für das über Nacht verwaiste Kanzleramt in Wien befremdlich aus. Wie soll ausgerechnet ein Manager das verlorene Vertrauen in die Politik wieder herstellen? So eine Frage liegt in Deutschland nahe, wo eine lange Reihe unterschiedlicher Unternehmensskandale das Vertrauen in die Wirtschaft untergraben und die Marktwirtschaft insgesamt in Verruf gebracht haben. Einen Manager als Regierungschef mag sich hierzulande selbst derjenige nicht vorstellen, der weiß, dass die meisten Konzernchefs keine Trickser und Absahner sind. Auch deshalb, weil man weiß, wie abschätzig und teils sogar verächtlich manche Manager über Politik reden, obwohl sie selbst Schwierigkeiten hätten, nur einen Parteitag zu überleben.

          In Österreich gab es zwar auch Skandale von Unternehmen, aber längst nicht in diesem Ausmaß. Dafür stürzten dort die ehemaligen Volksparteien besonders tief. Sozialdemokraten und Konservative schafften es nicht mal in den Stichentscheid zur Wahl des Staatsoberhaupts. Der sprichwörtliche Filz von Rot und Schwarz im Bund, in Ländern und Kommunen führte Österreichs Politik und Wirtschaft in die Erstarrung. Christian Kern, der erfolgreiche Bahnchef, könnte nun als Kanzler der Richtige sein, um den Reformstau in Österreich aufzulösen.

          Sein Vorgänger Werner Faymann besiegelte sein Schicksal im vergangenen Spätsommer, als er gemeinsam mit Angela Merkel (CDU) ohne Absprache mit den EU-Partnern die Kontrolle der beiden Landesgrenzen der „Willkommenskultur“ opferte. Seine spätere Kehrtwende durch die Schließung der Balkan-Route stoppte zwar den angeblich unaufhaltbaren Strom von Flüchtlingen, rettete Faymann aber nicht das Amt. Doch pikanterweise erlaubte dies Merkel, den Rückgang der Flüchtlingszahlen als Ergebnis ihres Deals mit der Türkei zu verkaufen, obwohl sich die EU damit dem Sultan ausgeliefert hat.

          Der Niedergang der Volksparteien im Nachbarland ist für die CDU und die SPD ein Warnsignal. Die (ehemaligen) Wähler der Sozialdemokraten und der Union wollen auch in Deutschland den Sozialstaat nicht zugunsten von Masseneinwanderung aus dem Orient aufgeben und sie wissen, dass man den Euro nur einmal ausgeben kann. Trotzdem deuten viele in der Union das desaströse Abschneiden bei den Landtagswahlen in Zustimmung zu Merkels Politik um. Dabei schwindet die Zustimmung, auch der CDU droht Schrumpfung.

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