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Energiewende : Ökostromumlage sinkt erstmals - leicht

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Immer mehr Windstrom bedeutete bislang immer mehr Ökostromumlage. Bild: dpa

Die Energiewende hat die Ökostromumlage gewaltig in die Höhe getrieben. Nun soll sie erstmals sinken. Aufs Jahr hochgerechnet fällt die Entlastung aber sehr gering aus.

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          Nach den Preissprüngen der vergangenen Jahre wird die Ökostromumlage 2015 Branchenkreisen zufolge erstmals sinken. Der Rückgang fällt aber so gering aus, dass die Verbraucher keine größere Entlastung spüren dürften - wenn überhaupt. Die Abgabe werde voraussichtlich auf 6,17 Cent von 6,24 Cent je Kilowattstunde schrumpfen, sagten mehrere mit den Berechnungen Vertraute aus der Energiebranche. Die Netzbetreiber wollen die Höhe am Mittwoch veröffentlichen. Sie äußern sich vorher dazu nicht.

          „6,17 Cent ist die Zahl“, sagte ein Insider. Weniger werde es nicht, sagten zwei weitere. Rein rechnerisch würde ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden knapp drei Euro im Jahr sparen. Ob es dazu überhaupt kommt, ist offen, da andere Faktoren, wie etwa die Gebühren für den Ausbau der Stromnetze 2015 steigen könnten. Der Karlsruher Versorger EnBW hat bereits eine Erhöhung dieser Abgabe um fast einen Cent auf 6,41 Cent je Kilowattstunde angekündigt. Entlastend könnten hingegen die gefallenen Preise an den Strombörsen wirken. Verbraucherschützer fordern, dass diese an die Kunden weitergegeben werden.

          In den vergangenen Tagen hatten Branchenvertreter mit einem deutlicheren Rückgang der Ökostromumlage gerechnet, die etwa nach Berechnungen der Denkfabrik „Agora Energiewende“ unter sechs Cent hätten sinken könne. Möglicherweise werde ein Puffer eingebaut, damit die Abgabe in den nächsten Jahren nicht bereits wieder steige, hieß es in Koalitionskreisen. Mit dem Puffer könne die Politik die Debatte um die Kosten der Energiewende womöglich bis zur nächsten Bundestagswahl 2017 beruhigen.

          Seit der Einführung im Jahr 2000 hatte sich die Förderung von 0,2 Cent je Kilowattstunde auf 6,24 Cent erhöht. Mit der Umlage finanzieren die Verbraucher die Kosten für den Ausbau des Stroms aus erneuerbaren Energieträgern wie Wind und Sonne.

          Dass sie nun erstmals niedriger ausfällt, zeichnete sich bereits ab. Das Konto für die Umlage wies Ende September einen Überschuss von 1,38 Milliarden Euro auf. Vor einem Jahr lag es noch 2,2 Milliarden Euro im Minus. Bei der Bemessung der Abgabe spielen Prognosen für den Stromverbrauch und den Bau von Anlagen ebenso eine Rolle wie Vorhersagen zum Wetter oder des Börsenpreises.

          Die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) berechnet sich aus der Differenz zwischen dem meist auf 20 Jahre festgelegtem Abnahmepreis für Ökostrom und dem Börsenpreis. Für diesen Betrag von zuletzt gut 23 Milliarden Euro müssen die Stromkunden aufkommen, vor allem Mittelständler und Privathaushalte. Denn zahlreiche Industriebetriebe sind als große Verbraucher davon ausgenommen. Ein Durchschnittshaushalt muss derzeit für die Förderung des Stroms aus Wind und Sonne inklusive Mehrwertsteuer über 250 Euro im Jahr berappen.

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