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Öko-Treibstoff : Die Schnapsidee

  • -Aktualisiert am

Die zuständigen Minister sollten sich auf ein Glas zusammensetzen Bild: dpa

Alkohol gehört nicht ins Benzin gemixt. Wer unbedingt Ethanol-Autos fahren will, kann sie kaufen. Der Treibstoff der Zukunft kommt vielleicht aus dem Meer oder aus dem Müll, aber nicht von den Feldern.

          3 Min.

          Alkohol benebelt die Sinne. Das gilt sogar dann, wenn man ihn in den Tank schüttet, wo er beruhigend auf das schlechte Gewissen wirkt. Anders ist die Liebe des deutschen Umweltministers für den Schnaps im Sprit nicht zu erklären, mit dem er die deutschen Autofahrer im nächsten Jahr zwangsbeglücken will.

          An sich ist der Gedanke, dass die Kohlendioxid-Bilanz besser wird, wenn im Straßenverkehr Treibstoffe aus Energiepflanzen verbrannt werden, gar nicht dumm. Der Fehler der EU ist es, Gesamtmengen vorzugeben, ohne dazuzusagen, wo sie herkommen sollen. Die Schwäche der Bundesregierung liegt darin, dass sie ihr Ziel durch Beimischung von zehn Prozent Ethanol zum Benzin erreichen will. Wenn jetzt die Bedenkenträger Oberwasser haben, ist das kein Wunder; die Unkenntnis jener, die das Monster mit dem urdeutschen Namen „Biokraftstoffquotengesetz“ erschaffen haben, war offenbar hart erarbeitet.

          Denn die Rechnung wurde ohne die Autos gemacht, die den Öko-Treibstoff womöglich gar nicht verdauen können. Der Verband der deutschen Autohersteller hat im November die Übereinkunft, die Beimischung zu erhöhen, selbst mitgetragen und als Meilenstein bejubelt - da war wohl die Freude zu groß, dass man endlich einmal vom hohen Verbrauch der eigenen Flotten ablenken konnte. Umweltminister Sigmar Gabriel, den nun die besorgten Autobesitzer nerven, ist wieder in der Realität gelandet. Die Hersteller mögen doch bitte einmal prüfen, welche ihrer Modelle den von 2009 an geplanten Zusatz an Bio-Alkohol im Benzin auch tatsächlich vertragen.

          Die Super-Plus-Idee trägt nicht weit

          Erst beschließen und dann prüfen - wäre der Umweltminister Führungskraft in der Wirtschaft, man hätte ihn längst mit einem goldenen Handschlag, aber möglichst weit weg verjagt. Ein politischer Fehler war es außerdem, denn Gabriel hat den Automobilclub nicht gefragt. Der hat ihm nun aufgelistet, was alles nicht geht: Der Alkohol zerfrisst Aluminium-Teile; Dichtungen und Schläuche vertragen ihn auch nicht. Das hat man schon einmal gehört, es ist der Grund, warum fast alle Personenautos Biodiesel nicht tanken dürfen. Wer das zehnprozentige Alkoholgemix ohne Freigabe tankt, riskiert teure Reparaturen. Zwischen den bisher erlaubten höchstens fünf und den künftigen zehn Prozent liegt der Tod des Motors, sagt der ADAC.

          Die Idee, man könne statt dessen ja Super Plus zapfen, das vom geplanten Zehnten gar nicht betroffen ist, trägt nicht weit. Wenn das alle machen, steigt der Bio-Anteil nicht. Außerdem kostet es 15 Cent je Liter mehr. Für jene, die den Öko-Mix tanken dürfen, wird es auch teurer. Ethanol hat ein Drittel weniger Energie als Benzin, entsprechend steigt der Verbrauch.

          Mal abgesehen von den handwerklichen Mängeln: Die Einsicht, die Alkoholquote könnte der Umwelt vielleicht gar nicht dienlich sein, kommt auch reichlich spät. Rund drei Milliarden Liter werden gebraucht. Die kann man jetzt schon suchen, auf deutschen Feldern wachsen sie jedenfalls nicht. Eine Verordnung soll verhindern, dass dem Durst nach Biokraftstoff Urwälder und Moore zum Opfer fallen und Lebensmittel durch Tankfüllungen ersetzt werden. Wer möchte sich darauf verlassen?

          In Maßen genossen, wirkt Alkohol anregend

          Die Debatte gab es um den Biodiesel auch schon. Nur mit dem Unterschied, dass die heimische Produktion ausreicht, um gut ein Zehntel des Treibstoffbedarfs zu decken, weil der Raps in der Fruchtfolge und als Tierfutter gebraucht wird und das Öl übrigbleibt. Die zehn Prozent waren schon erreicht, mit reinem Biodiesel wurden Millionen Lastwagen gespeist. Dann hat der Finanzminister die Steuerschraube angezogen und damit dem Rapsöl-Produkt den Garaus gemacht. Jetzt tanken die deutschen Lastwagen ihren Biodiesel in Österreich und Holland. Die Umwelt- und Finanzminister dort reiben sich die Hände, während Peer Steinbrück auf seinen Steuerausfällen und Gabriel auf seiner nicht erreichten Quote sitzenbleiben.

          Die Beimischung, sei es Rapsöl zum Diesel oder Alkohol zum Benzin, ist eine Mogelpackung von Bürokraten. Ihr größter Makel ist, dass sie am Verbraucher vorbei verordnet wird. Ein Blick in die Nachbarländer zeigt, dass es auch anders geht. Dort gibt es fast reines Ethanol an der Tankstelle. Jeder, der daran glaubt, dass der Treibstoff umweltverträglich hergestellt wird, kann sich Autos kaufen, die dafür gemacht wurden - von denselben Herstellern, die sich mit der Freigabe der Mischung für ihre Normalmodelle zieren.

          Für Biodiesel gilt dasselbe. Bei entsprechendem Bedarf wird es nicht nur Lastautos, sondern auch Personenwagen geben, die dafür zugelassen sind. Die Gesamtnachfrage kann der Staat über seine Steuern lenken, und zwar gerade so, dass die hierzulande ohnehin produzierte Ölmenge unter die Räder kommt. Viel mehr als diesen Beitrag darf man den Energiepflanzen nicht abverlangen. Der Treibstoff der Zukunft kommt vielleicht aus dem Meer oder aus dem Müll, aber nicht von den Feldern.

          In Maßen genossen, wirkt Alkohol anregend. Umwelt-, Agrar- und Finanzminister sollten sich über die richtige Strategie vielleicht bald auf ein Glas Wein zusammensetzen.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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