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Öffentliche Kehrtwende : Wieso Trump seine Notenbankchefin plötzlich mag

Janet Yellen im März 2017 während einer Pressekonferenz der Notenbank Bild: AFP

Im Wahlkampf wurde Janet Yellen noch wüst von Donald Trump beschimpft, nun wählt er ganz andere Worte. Was hat das zu bedeuten? Vielleicht sehr viel.

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          Nanu, ist das wirklich ein echter und nachhaltiger Sinneswandel, den der amerikanische Präsident Donald Trump da öffentlich in seinem Interview mit dem „Wall Street Journal“ vollzogen hat? Die Überraschung ist ihm jedenfalls gelungen. Und nein, es geht nicht nur darum, dass er seinen eigenen Aussagen zufolge jetzt doch nicht mehr findet, dass China seine Währung manipuliert und damit im Grunde genommen eines seiner wichtigen Wahlversprechen mal so nebenbei kassiert.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Spannend sind auch die wohlwollenden Worte, mit denen Trump in dem Gespräch mit der vielbeachteten Wirtschaftszeitung die amerikanische Notenbankchefin Janet Yellen bedachte. Während er sich im Wahlkampf befand, beschimpfte er die mächtigste Geldpolitikerin der Welt noch regelmäßig. Zum Beispiel warf er ihr vor, die Zinsen künstlich niedrig zu halten, um seinem Amtsvorgänger Barack Obama eine gute Wirtschaftsbilanz zu ermöglichen; sie, Yellen, solle sich dafür „schämen“, polterte Trump sogar einmal.

          Und nun das. „Ich mag sie“, sagte er im neuen Zeitungsinterview und er respektiere sie. Das hat sich schnell in der ganzen Finanzwelt verbreitet. Und noch hellhöriger sind die Teilnehmer an den Finanzmärkten geworden, als Trump außerdem erklärte, dass Yellen vielleicht sogar eine weitere Amtszeit bekommt, jedenfalls sei es jetzt noch „sehr früh“, um sich damit zu befassen - bislang klang er eher so, als könne er die 70 Jahre alte Dollar-Währungshüterin gar nicht schnell genug loswerden. Und um dem Ganzen so etwas wie eine rhetorische Krone aufzusetzen, legte Trump noch mit einer Einschätzung über die Geldpolitik nach, die da lautete: Er möge „eine Politik der niedrigen Zinsen, das muss ich Ihnen ehrlich sagen“.

          Der Dollar ist wirklich stark gerade

          Was hat das zu bedeuten?, fragen sich nun die Angehörigen zumal der Finanzwelt. Eine eindeutige Antwort ist schwer, es gibt aber zumindest Anhaltspunkte, die Deutungen zulassen. Einen Hinweis hat Trump in eben jenem Interview selbst gegeben: Ihn stört der gestiegene Wert der amerikanischen Währung gegenüber anderen. „Ich glaube, unser Dollar wird zu stark.“ Er ersparte sich dieses Mal zwar den drastischen Zusatz „Und das bringt uns um (it's killing us)“, den er in einem Interview mit derselben Zeitung im Januar losließ. Im Blick hatte er allerdings abermals die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen auf dem Weltmarkt, die neben anderen Dingen eben auch vom Dollar-Kurs abhängt.

          Tatsächlich stimmt, dass der Dollar derzeit historisch wertvoll ist: Gewichtet mit den Währungen der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten liegt der Dollar derzeit tatsächlich auf dem höchsten Niveau seit ungefähr 15 Jahren, zeigt der entsprechende Index, den die Notenbank Federal Reserve regelmäßig errechnet. Das ist in dieser Diskussion eine relevante Größe. Kaum bedeutsam ist demgegenüber, ob der Dollar in einer Woche gegenüber einer anderen Währung etwas aufwertet oder nicht. Und auch, dass er gegenüber dem Euro und dem chinesischen Yuan infolge von Trumps neuem Interview vorübergehend minimal abwertete, spielt dabei keine Rolle.

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