https://www.faz.net/-gqe-8vvbm

OECD-Studie zu Flüchtlingen : Arbeit bekommt, wer Deutsch kann

  • Aktualisiert am

Praktikum an einer Bandschleifmaschine: Integration gelingt besonders gut, wenn Menschen Arbeit finden. Bild: dpa

Die Integration der vielen zuletzt nach Deutschland gekommenen Menschen entscheidet sich auf dem Arbeitsmarkt. Eine neue Umfrage zeigt, worauf es Arbeitgebern besonders ankommt.

          2 Min.

          Ob die Integration der vielen Menschen gelingt, die in den vergangenen beiden Jahren nach Deutschland gekommen sind und hierzulande Asyl beantragt haben, entscheidet sich nach einhelliger Auffassung auf dem Arbeitsmarkt. Finden die Menschen eine Stelle, ermöglicht ihnen das nicht nur, das eigene Leben zu finanzieren, sondern wesentlich auch, irgendwie im gesellschaftlichen Leben anzukommen. Ganz zentral dafür, dass dies gelingt, ist die Fähigkeit, die deutsche Sprache sprechen und schreiben zu können.

          Das hat eine neue Umfrage der OECD, des Deutschen Industrie- und Handelskammertages und des Bundesarbeitsministeriums unter 2200 Unternehmern eindrücklich bestätigt. Die Hälfte der befragten Arbeitgeber gaben demnach an, schon für geringqualifizierte Stellen mindestens gute Deutschkenntnisse vorauszusetzen; fast alle (90 Prozent) verlangen dies von ihren Facharbeitern.

          „Sprachförderung ist der Grundstein“

          Auch aus dieser Befragung ist (einmal mehr) hervor gegangen, dass der Großteil der zuletzt nach Deutschland geflüchteten oder migrierten Menschen eher für Tätigkeiten im niedrig qualifizierten Bereich eingesetzt werden. Ungefähr zwei Drittel der Zugewanderten angebotenen Arbeitsplätze lagen der Umfrage zufolge in diesem Bereich.

          Von den Arbeitgebern, die an dieser Umfrage teilgenommen haben, erhielten ungefähr 60 Prozent in den vergangenen beiden Jahren Bewerbungen von Asylbewerbern. Von denjenigen, die eine Bewerbung bekamen, haben wiederum 70 Prozent mindestens einen Flüchtling oder Migranten eingestellt. 40 Prozent der so erfolgen Neueinstellungen bezogen sich auf normale Arbeitsplätze, ein Drittel auf Praktika, der Rest auf Ausbildungsplätze oder andere Berufseinstiegsmaßnahmen.

          „Die Sprachförderung ist in der Tat der Grundstein der deutschen Integrationspolitik, und so wurde die Zahl der angebotenen Plätze in den Integrationskursen deutlich erhöht, um der starken Nachfrage nachzukommen“, schreiben die Fachleute der OECD in ihrer Analyse zu dieser Befragung: „Allerdings besteht immer noch ein großer ungedeckter Bedarf.“

          Mit den eingestellten Flüchtlingen sind die Arbeitgeber wesentlich zufrieden, geht aus der Befragung weiterhin hervor. 85 Prozent der Unternehmer gaben an, wenige oder keine Schwierigkeiten im Arbeitsalltag erlebt zu haben. Mehr als 80 Prozent sind zudem eher oder vollkommen zufrieden mit der erbrachten Arbeitsleistung.

          In den Jahren 2015 und 2016 beantragten ungefähr 1,2 Millionen Menschen Asyl in Deutschland. Etwa 700.000 von ihnen gelten nach allgemeiner Erwartung wohl als schutzbedürftig. Auf dem Arbeitsmarkt macht sich diese Zuwanderung nun langsam bemerkbar. Im Februar dieses Jahres sind nach Angaben der OECD ungefähr 9 Prozent der registrierten Arbeitssuchenden Flüchtlinge und Asylbewerber gewesen, mehr als die Hälfte davon sind Menschen aus dem Bürgerkriegsland Syrien.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach dem Terrorakt in Hanau : Zeichen gegen das Gift

          Hanau steht unter Schock: Der Bundespräsident spricht von einer tiefen Wunde. Vertreter der Migranten-Community fordern von Innenminister Seehofer mehr Sicherheit. Und Hessens Ministerpräsident sagt, er könne die Angst verstehen.
          Beweissicherung am Tatort: Deutschland hat ein Problem mit Rechtsterror, das ist nicht mehr zu übersehen. Was jetzt?

          Morde in Hanau : Böser, als die Polizei erlaubt

          Statt zwischen Rechtsextremismus und Rechtsterror zu unterscheiden, sollte man beides bekämpfen. Der Staat und seine Organe müssen jetzt aufrüsten – technisch, aber auch mental.

          Gericht hebt Stopp auf : Tesla darf weiter roden

          Umweltschützer erwirkten im Eilverfahren einen Rodungsstopp auf dem Gelände der geplanten Tesla-Autofabrik. Doch nun hat ein Gericht beschlossen: Die Bäume dürfen gefällt werden. Der Beschluss ist nicht weiter anfechtbar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.