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OECD-Studie : Deutschland ist zweitbeliebtestes Einwanderungsland

Das Brandenburger Tor: Viele Zuwanderer zieht es nach Berlin. Bild: dpa

Mit seiner wirtschaftlichen Stärke und dem robusten Arbeitsmarkt lockt Deutschland immer mehr Menschen aus dem Ausland an – und schiebt sich auf Platz zwei hinter Amerika. Die Statistik zeigt auch, wie viele Neuankömmlinge Arbeit finden.

          Deutschland lockt wegen seiner wirtschaftlichen Stärke und dem robusten Arbeitsmarkt immer mehr Menschen aus dem Ausland an. Erstmals nimmt das Land nun hinter den Vereinigten Staaten den zweiten Rang unter den beliebtesten Zielländern ein, wie aus einer neuen Untersuchung der Industrieländerorganisation OECD hervorgeht. Demnach kamen im Jahr 2012 rund 400.000 dauerhafte Zuwanderer nach Deutschland. Das sind fast doppelt so viele wie fünf Jahre zuvor. Noch im Jahr 2009 hatte Deutschland lediglich auf Rang acht dieser Wertung gelegen.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für Unternehmen.

          „Man kann hier ohne Übertreibung von einem Boom sprechen“, sagt Thomas Liebig, Migrationsfachmann der OECD in Paris, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ein Anstieg um rund 40 Prozent sei für ein so großes Land außergewöhnlich und bislang äußerst selten gewesen. Deutschland hat damit einige europäische Länder wie Großbritannien und Spanien überholt, die im Zuge der Wirtschaftskrise deutlich an Attraktivität für Migranten verloren haben. Auch klassische Einwanderungsländer wie Kanada und Australien sind mittlerweile weit abgeschlagen.

          Die neue Beliebtheit ist vor allem der Personenfreizügigkeit in Europa geschuldet, welche den Bürgern aus anderen EU-Mitgliedstaaten sowie der EFTA-Gruppe (Norwegen, Liechtenstein, Schweiz, Island) freien Zugang ermöglicht. „Deutschland ist mittlerweile zentraler Motor der Migrationsentwicklung in Europa“, sagt Thomas Liebig. Jeder dritte dauerhafte Zuwanderer komme aus der Europäischen Union – nur in der Schweiz und in Österreich sei der Anteil noch höher. Im Gegensatz zur Wanderungsstatistik des Statistischen Bundesamtes erfasst das OECD-Konzept der dauerhaften Zuwanderung nur Migranten, die anschließend mindestens ein Jahr in Deutschland bleiben. Saisonkräfte oder Studenten werden dabei nicht berücksichtigt.

          Aus Sicht der Wissenschaftler kommen zwei Effekte zusammen: Mehr Zuwanderer als früher kommen nach Deutschland, und zugleich bleiben sie länger als in der Vergangenheit. Das hängt zum einen mit der schwierigen wirtschaftlichen Situation in Südeuropa zusammen, die nur langsam etwas Besserung verspricht. In Spanien und Griechenland liegen die Arbeitslosenquoten immer noch über 25 Prozent.

          Allerdings stammt die größte Gruppe der Zuwanderer weiterhin aus den neuen EU-Staaten Mittel- und Osteuropas. An der Spitze liegt Polen als einwohnerreichstes Land der Region. Seit Jahresbeginn sind auch die Übergangsbeschränkungen für Rumänen und Bulgaren aufgehoben.

          Bezogen auf die Einbindung der Neuankömmlinge hat Thomas Liebig eine gute Nachricht: „Die innereuropäischen Zuwanderer – auch die aus Mittel- und Osteuropa – sind höher qualifiziert und besser in den Arbeitsmarkt integriert als in der Vergangenheit.“ Die Erwerbstätigenquote unter den europäischen Migranten hat sich 2012 auf 69 Prozent erhöht (2009: 66) und liegt damit nur noch knapp unter dem der Gesamtbevölkerung (74 Prozent).

          Der Anteil der Hochqualifizierten, in der Regel Akademiker, ist unter den europäischen Zuwanderern mit 34 Prozent sogar höher als unter der im Inland geborenen Bevölkerung (26 Prozent). Die außereuropäischen Einwanderer sind zwar seltener erwerbstätig (40 Prozent), weisen aber von allen Gruppen den größten Hochqualifiziertenanteil auf (38 Prozent).

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