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OECD-Studie : Deutsche Rentner bekommen weniger als andere

Schön ist der Ruhestand: In Südeuropa vielleicht mehr noch als in Deutschland Bild: dpa

Deutsche erhalten im Vergleich zu ihrem Gehalt eine vergleichsweise geringe Rente. Außerdem müssen Bundesbürger länger arbeiten als andere Europäer.

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          „Verzerrt“ hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Ergebnisse der jüngsten Vermögensstatistik der Europäischen Zentralbank (EZB) genannt. Nach deren Rechnung liegen die deutschen Haushalte gemessen an ihrem Vermögen in Europa auf einem hinteren Platz. Ihre Skepsis begründet die Kanzlerin damit, dass die hohen Rentenansprüche der Deutschen in der EZB-Statistik nicht berücksichtigt seien. Mit dieser Einschätzung ist sie jedoch in die Kritik geraten. Ansprüche seien noch lange kein Vermögen, weil diese Ansprüche immer wieder an die rechtlichen und tatsächlichen Umstände angepasst würden, bemängeln die Kritiker.

          Kerstin Schwenn
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Überdies zahlten auch andere Länder ihren Bürgern Renten - und zwar offenkundig oft bessere als in Deutschland. Dies lässt sich zumindest aus einer vergleichenden Studie der Wirtschaftsorganisation OECD („Pensions at a Glance“) ableiten, die vor allem auf Daten aus dem Jahr 2010 beruht. Demnach liegt der Wert der Rentenansprüche in Deutschland - ungeachtet der Schwierigkeit, nationale Alterssicherungssysteme zu vergleichen - unter dem Durchschnitt aller OECD-Länder, was Renteneintrittsalter, Rentenbezugsdauer und Rentenhöhe angeht.

          Ein wichtiges Kriterium für die Bemessung des Werts von Rentenansprüchen ist die sogenannte Ersatzquote. Dabei handelt es sich um den Anteil, den die Altersrente im Verhältnis zum Einkommen in der Erwerbsphase erreicht. In Spanien liegt die Netto-Ersatzquote für einen männlichen Durchschnittsverdiener, der mit 65 Jahren in Ruhestand geht, nach der OECD-Tabelle bei gut 84 Prozent, in Italien bei gut 76 Prozent, in Griechenland sogar bei mehr als 110 Prozent.

          Deutschland liegt auf den hintersten Plätzen

          Das heißt: Ein Grieche bezieht mehr Rente, als er im Schnitt an Einkommen verdiente. Hier wirkt sich auch die Art der Rentenberechnung aus. Während nach der deutschen Rentenformel das ganze Arbeitsleben die Rentenhöhe beeinflusst, sind es in Griechenland nur die Verdienste in den letzten fünf Jahren, in Spanien die in den letzten 15 Jahren vor dem Ruhestand. Diese sind meist höher als in frühen Berufsjahren.

          Die Ersatzquoten der Südländer übersteigen den OECD-Durchschnittswert von 69 Prozent deutlich. Unter dem Schnitt liegt dagegen Frankreich mit gut 60 Prozent. Für Deutschland weist die Statistik eine Netto-Ersatzquote von knapp 58 Prozent aus. Damit liegt Deutschland (vor Schweden, Großbritannien und Irland) auf den hinteren Plätzen in der Rangliste. Angesichts der den Rentenanstieg dämpfenden Faktoren in der Rentenformel wird die Ersatzquote hierzulande weiter sinken. Zypern ist nicht berücksichtigt, weil es nicht der OECD angehört.

          In Deutschland arbeitet ein Arbeitnehmer außerdem durchschnittlich länger als viele andere Europäer, bevor er in den Ruhestand geht. Nach Zahlen von Eurostat - auch diese aus dem Jahr 2010 - dauert ein Arbeitsleben in der EU durchschnittlich 34,5 Jahre. Die Schweden arbeiten mit 40,1 Jahren am längsten, die Ungarn mit 29,3 Jahren am kürzesten. Der Wert für Deutschland lag 2010 bei 36,8 Jahren, also mehr als zwei Jahre über dem Durchschnitt. Nach vorläufigen Zahlen für 2011 stieg die Lebensarbeitsdauer in Deutschland im Schnitt auf 37,4 Jahre. In Spanien wurden 34,5 Jahre bis zur Rente gearbeitet, in Frankreich 34,3 Jahre, in Griechenland 32,1 Jahre und in Italien 29,7 Jahre.

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