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Notenbanken : Die Geldpolitik der anderen setzt EZB unter Druck

Mehr Liquidität: In Amerika zeichnet sich eine weitere Lockerung der Geldpolitik ab Bild: Bloomberg

Japan lockert die Geldmenge, in Amerika und Großbritannien kaufen die Zentralbanken weitere Staatsanleihen. Die EZB bleibt dagegen bei ihrem Plan, die expansive Geldpolitik allmählich zu normalisieren.

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          Noch reagieren die Verantwortlichen in der Europäischen Zentralbank (EZB) gelassen auf die Lockerungsübungen ihrer Kollegen in Tokio, Washington und London. Die bislang in Aussicht gestellten zusätzlichen Anleihekäufe der Fed habe der Devisenmarkt bereits vorweggenommen, heißt es aus dem Umfeld der EZB-Spitze. Es gebe keinen bestimmten erwünschten Außenwert des Euro, aber natürlich spiele er für die Geldpolitik eine wichtige Rolle. Bislang sei die Aufwertung jedoch noch nicht besorgniserregend. Seit Juni hat der Euro zum Dollar von knapp 1,20 auf zuletzt 1,40 Dollar je Euro aufgewertet. Die Aussicht auf noch niedrigere Zinsen in Amerika und zudem die Sorge, dass dies die Teuerung anheizen könnte, erhöht den Anreiz, auf andere Währungen auszuweichen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Doch die Aufwärtsbewegung des Euro ist bislang begrenzt. Er liegt nun geringfügig über dem Niveau, das er vor der Zuspitzung der Staatsschuldenkrise im April und Mai erreicht hatte - und immer noch unter dem Niveau zu Jahresbeginn. Wichtiger ist noch die Betrachtung des gewichteten Außenwerts gegenüber einem Währungskorb der 21 wichtigsten Handelspartner, dessen Stand die EZB täglich ermittelt. Auch hier steigt der Wert, allerdings deutlich langsamer als zum Dollar allein. Gleichwohl beobachtet die EZB-Spitze die expansive Geldpolitik der Fed und anderer Notenbanken mit Sorge. Denn bei einer hemmungslosen Fortsetzung könne die Politik der anderen den Plan der EZB für die Normalisierung ihrer eigenen Geldpolitik und den Ausstieg aus den Kredithilfen für die Banken in Gefahr geraten. Es komme nun darauf an, wie groß das neue Lockerungsprogramm in den anderen Währungsräumen sei.

          Was also haben die Notenbanken in Amerika, Großbritannien und Japan vor? Und wo steht die EZB?

          In Amerika bewegt sich die Federal Reserve seit September auf eine weitere quantitative Lockerung in der kommenden Sitzung Anfang November hin. Der Schritt ist zwar im Offenmarktausschuss noch umstritten. Der Vorsitzende der Fed, Ben Bernanke, stellte aber Ende vergangener Woche in einer Rede klar, dass er mit Blick auf die Wirtschaftsdaten eine Lockerung der Geldpolitik für geboten hält: zu schwaches Wachstum, zu niedrige Inflationsrate, zu hohes Deflationsrisiko. Bernanke hat sich zwar noch nicht festgelegt. Die Gefahren einer weiteren Lockerung sieht er aber vor allem in technischen Risiken. Die Finanzmärkte könnten etwa in Sorge verfallen, dass die Fed die ausgegebene Liquidität nicht rechtzeitig vor einem künftigen Inflationsschub einsammeln könnte. Dieses Risiko hält Bernanke aber offensichtlich für gering, weil die Zentralbank schon Methoden getestet hat, um die Liquidität aufzusaugen.

          Spekuliert wird, dass die Fed etwa 500 Milliarden Dollar Staatsanleihen kaufen könnte. Das wäre etwa ein Drittel des Wertpapier-Ankaufprogramms, das im Frühjahr 2009 endete. Manche Ökonomen bezweifeln, ob die gewünschte Stimulierung der Wirtschaft so erreicht werden kann. William White, der ehemalige Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, sagte, schon die erste Runde der quantitativen Lockerung habe keine große Wirkung gehabt. Es mangele nicht an Liquidität, sondern an der Nachfrage. Und die werde bei einem ohnehin niedrigen Zinsniveau durch noch niedrigerer Zinsen kaum stimuliert, sagt Andreas Rees von der Bank Unicredit. Anleihekäufe für 500 Milliarden Dollar könnten das reale Zinsniveau nur um 0,1 bis 0,25 Prozentpunkte verringern. Das bringe wenig zusätzliche Nachfrage, dafür aber das Risiko neuer spekulativer Übertreibungen.

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