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Niedriglohnsektor : Jeder Achte steigt auf, jeder Dritte bleibt hängen

  • Aktualisiert am

Bild: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Ist der Niedriglohnsektor ein Sprungbrett? Oder gilt die Regel: Einmal arm, immer arm? In einer neuen Studie hat das Instiut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung untersucht, wie vielen Geringverdienern der Aufstieg gelingt. Das Resultat: Jeder Achte schafft den Weg nach oben. Jeder Dritte bleibt hängen.

          Jeder Achte Geringverdiener schafft in einem Zeitraum von sechs Jahren den Aufstieg in eine Beschäftigung oberhalb der Niedriglohnschwelle, jeder Dritte verbleibt im Niedriglohnsektor. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Lehrstuhls für Arbeitsmarkt- und Regionalpolitik der Universität Erlangen-Nürnberg.

          Für die Studie haben die Forscher untersucht, was im Jahr 2005 aus den vollzeitbeschäftigten Geringverdienern der Jahre 1998 und 1999 geworden ist. Es wurde ausgewertet, welcher Anteil der beobachteten Personen den Sprung aus dem Niedriglohnsektor schaffte, wer die Aufsteiger waren und in welcher Art von Betrieb sie arbeiteten.

          Frauen sind überproportional vertreten - und steigen seltener auf

          Dabei stellten die Forscher fest, dass vor allem Frauen den Aufstieg seltener schafften. „Möglicherweise liegt das an Schwangerschaftsunterbrechungen“, sagte Jens Stephani, IAB-Forscher im Bereich Niedrigeinkommen und einer der Autoren der Studie zu FAZ.NET. „Vielleicht haben wir es aber auch mit Diskriminierung von Frauen zu tun.“ Letztlich komme die Untersuchung auch zu dem Ergebnis, dass Frauen überproportional von niedrigen Löhnen betroffen sind. Obwohl sie nur 35 Prozent der Vollzeitbeschäftigten stellten, zählten in der Studie fast 60 Prozent von ihnen zu den Geringverdienern.

          Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung war, dass die Betriebsgröße entscheidenden Einfluss auf die Aufstiegschancen der Beschäftigten hat: „Je größer ein Betrieb ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass einem Geringverdiener innerbetrieblich oder durch Wechsel in diesen Betrieb der Aufstieg aus dem Niedriglohnsektor gelingt“, schreiben die Autoren. „Das ist auch deshalb der Fall, weil in größeren Betrieben generell höhere Löhne gezahlt werden“, sagte Stephani, „zudem gibt es in großen Unternehmen eher einen internen Arbeitsmarkt.“

          Jüngeren und besser ausgebildeten Arbeitnehmern gelang außerdem laut Studie der Sprung in eine Position mit höherem Einkommen eher als den älteren und schlechter ausgebildeten Arbeitnehmern.

          Schlecht durchlässiger Arbeitsmarkt?

          Eine Aussage darüber, ob der deutsche Arbeitsmarkt nach diesen Daten als schlecht durchlässig bezeichnet werden kann, wollte das IAB nicht treffen. Die Studie sei in zweierlei Richtung interpretierbar, sagte Stephani: „Man kann sagen, nur jeder Achte schafft den Aufstieg - man kann aber auch sagen, immerhin jeder Achte schafft den Aufstieg, obgleich diese Menschen oft nur gering qualifiziert sind.“

          Im Rahmen der Studie galt als Geringverdiener, wer weniger als zwei Drittel des Durchschnittslohns (Medianlohns) verdiente. Demnach lag die deutsche Niedriglohnschwelle im Jahr 2005 in Westdeutschland bei 1.779 Euro brutto, in Ostdeutschland bei 1.323 Euro brutto.

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