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„Niedriglohnfalle“ : DGB sagt Minijobs den Kampf an

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„Es ist inzwischen eindeutig nachgewiesen, dass der Minijob kein Sprungbrett in reguläre Beschäftigung, sondern eine Niedriglohnfalle ist“ Bild: dpa

Aus Sicht von Gewerkschaften sowie Frauen- und Sozialverbänden sind Minijobs eine „Niedriglohnfalle“. Deshalb soll Schluss damit sein, fordert eine breite Initiative.

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          Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert zusammen mit zahlreichen Mitstreitern eine Reform der Minijobs. „Es ist inzwischen eindeutig nachgewiesen, dass der Minijob kein Sprungbrett in reguläre Beschäftigung, sondern eine Niedriglohnfalle ist“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach am Dienstag in Berlin. „Unsere Initiative hat das Ziel, die Minijobmauer zu durchbrechen, reguläre Beschäftigung zu fördern, die Gleichberechtigung zu stärken und den Fachkräftebedarf zu sichern.“

          Die Reformvorstellungen des DGB zielen darauf ab, die Anreize für Minijobs zu beseitigen sowie Steuern und Abgaben für diese vom ersten Euro an zu erheben. Diese Belastungen sollen die Arbeitgeber im unteren Einkommensbereich zum großen Teil alleine tragen, die Beschäftigten schrittweise erst mit steigendem Einkommen. An der Initiative sind neben dem DGB 16 Verbände sowie fast zwei Dutzend Wissenschaftler beteiligt. Derzeit gibt es rund 7 Millionen Minijobs in Deutschland.

          Der Arbeitsmarktexperte Gerhard Bosch von der Universität Duisburg-Essen sprach von „Fehlanreizen“ durch Minijobs - mit massiven Verwerfungen am  Arbeitsmarkt. „Einem erheblichen Teil der Beschäftigten werden zentrale Arbeitnehmerrechte vorenthalten.“ Zudem rationierten Minijobs das Angebot an Arbeitskräften künstlich. „Wer für Minijobs ist, darf sich nicht über Fachkräftemangel beklagen“, meinte Bosch. Für die Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, Hannelore Buls, führen Minijobs dazu, dass vor allem verheiratete Frauen „in perspektivlosen Jobs mit einem Aushilfe-Lohn“ kleben bleiben.

          Buntenbach sagte, Minijobs führten dazu, dass reguläre Vollzeit- oder Teilzeitstellen verdrängt und zerlegt werden. Die Beschäftigten würden „geködert mit der Aussicht, keine Steuern und Abgaben zahlen zu müssen“. Doch mehr als drei Viertel der Betroffenen verdienten weniger als 8,50 Euro in der Stunde. „Die Minijobber sind also nicht die Gewinner, sondern die großen Verlierer am Arbeitsmarkt.“ Für Arbeitsmarktreformen - auch mit Blick auf Minijobs - hatten sich jüngst auch Experten vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ausgesprochen. Die Minijob-Verdienstgrenze stieg Anfang 2013 von bislang 400 auf 450 Euro im Monat.

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