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Energiewende : Niedriger Strompreis treibt Ökostromumlage

Solarpark in Deutschland Bild: obs

In den vergangenen Jahren ist der Börsenpreis wegen des Überangebotes von Strom stetig gesunken. Die Rechnung könnte für die Haushalte nun um 35 Euro im Jahr steigen.

          Weil der Strom an der Börse immer weniger kostet, wird die Umlage zur Finanzierung des Ökostroms im nächsten Jahr ein neues Rekordniveau erklimmen. Nach Berechnungen der Klimaschutzorganisation Agora Energiewende wird die Umlage nächstes Jahr auf 7,1 bis 7,3 Cent je Kilowattstunde steigen. Das wäre ein Plus von 8 bis 15 Prozent gegenüber dem heutigen Niveau von 6,35 Cent je Kilowattstunde. Bis 2020 würde die Umlage dann weiter steigen, auf bis zu 7,7 Cent je Kilowattstunde. Im vergangenen Jahr hatte Agora den Anstieg allerdings mit 6,6 Cent zu hoch angesetzt.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Grund für die auf den ersten Blick widersprüchliche Logik, wonach ein niedrigerer Börsenpreis zu höheren Kosten führt, ist die Mechanik des Gesetzes zur Förderung erneuerbarer Energien (EEG). Das Gesetz schreibt vor, dass der Ökostrom an der Börse verkauft wird. Da der Verkaufserlös aber bei weitem nicht ausreicht, um die vom Staat für 20 Jahre garantierte Förderung zu finanzieren, muss die Differenz durch die Umlage ausgeglichen werden.

          Veränderungen des Börsenpreises schlagen auf die Umlage durch. Gibt der Preis nach, wird die Umlage höher, steigen sie, werden die „Differenzkosten“ geringer und der Umlagebetrag schrumpft. In den vergangenen Jahren ist der Börsenpreis wegen des Überangebotes von Strom stetig gesunken, gegenüber 2011 hat er sich inzwischen auf rund 2,5 Cent mehr als halbiert.

          Kommen die Betreiber des Übertragungsnetzes und die Bundesnetzagentur, die dem Bundeswirtschaftsministerium unterstellt ist, für das Wahljahr 2017 zum gleichen Ergebnis wie Agora, so belaufen sich die Zusatzkosten für einen durchschnittlichen 3-Personenhaushalten mit 3500 Kilowatt Stromverbrauch nächstes Jahr auf 26 bis 35 Euro. Die für die Stromkunden maßgeblichen Einstandskosten der Stromvertriebe, etwa der Stadtwerke, änderten sich allerdings kaum, analysieren die Klimaschützer von Agora. Die Summe aus Börsenstrompreis und EEG-Umlage werde weiterhin knapp unter 10 Cent je Kilowattstunde liegen. „Die Kosten für die Stromverbraucher bleiben weitgehend konstant, wenn die Stromvertriebe ehrlich rechnen und ihre gesunkenen Einkaufspreise weitergeben“, sagt Agora-Direktor Patrick Graichen.

          Verbraucher bekommen mehr „grünen“ Strom

          Das hängt allerdings von der Einkaufspolitik der Vertriebe ab. Zum einen davon, ob sie selbst von fallenden Preisen profitieren können und ob und in welchem Umfang sie diese Vorteile an ihre Kunden weitergeben. Kunden sollten deshalb Preisvergleiche anstellen. Doch ist das nicht der einzige Kostentreiber. Auch der Zubau neuer Anlagen schlägt sich in der Umlage nieder, wenn auch mit den inzwischen günstigeren Förderkosten. Graichen macht das deutlich, indem er darauf hinweist, dass die Verbraucher „für ihr Geld mehr grünen Strom“ bekämen. Nächstes Jahr dürfte der Anteil erneuerbarer Energien von aktuell 34 auf mehr als 35 Prozent steigen.

          Über die Umlagehöhe für 2017 wird im Oktober entschieden. Eine neuerliche Anhebung zeichnet sich ab, sind die Ausgaben für die Betreiber von Wind-, Photovoltaik- und Biomassekraftwerken doch im ersten Halbjahr von 11 auf 12,5 Milliarden Euro gestiegen. Laut Agora fließt das meiste Geld aus der Umlage und Verkaufserlösen an der Börse in diesem Jahr mit 9,8 Milliarden Euro an die Betreiber von Photovoltaikanlagen. 5,3 Milliarden Euro gehen an die Betreiber von Windanlagen an Land, weitere 2,5 Milliarden Euro an die von Meereswindparks. Betreiber von Biomasseanlagen dürften dieses Jahr 6 Milliarden Euro ausgezahlt bekommen.

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