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Ernährung : Nieder mit der Quengelkasse

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Ich will aber! Bild: Picture-Alliance

Viele Eltern träumen von der süßigkeitenfreien Kasse im Supermarkt - Union und SPD offenbar auch. Ein Discounter versucht das schon von sich aus.

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          Wer mit Kindern einkaufen geht, muss in der Regel zwei Klippen umschiffen: Die erste ist die Einkaufswagenkontrolle vor der Kasse - um festzustellen, welche Objekte jenseits des Einkaufszettels auf wundersame Weise ihren Weg in den Wagen gefunden haben. Die zweite ist die Kasse selbst. Denn dort locken Kaugummis, handliche Schokoladenportionen und Bonbons. Der Begriff Quengelkasse kommt nicht von ungefähr. Nirgendwo sonst im Supermarkt lassen sich kleinkindliche Wutanfälle besser beobachten.

          Da die Koalition Eltern bekanntermaßen nicht alleine lassen möchte mit ihren Problemen - vom Kita-Platz bis zum Pflegefall -, war es nur eine Frage der Zeit, bis Union und SPD auch das Quengelkassen-Problem als solches identifizieren würden. An diesem Donnerstag ist es soweit gewesen: Zwischen der Regierungserklärung zu den Terroranschlägen in Frankreich und einem Linken-Antrag zur Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern widmeten sich die Abgeordneten dem schwarz-roten Antrag „Gesunde Ernährung stärken - Lebensmittel wertschätzen“.

          Anlass war die Agrarmesse „Grüne Woche“, die an diesem Freitag in Berlin ihre Tore öffnet. In dem Antrag stellten die Regierungsfraktionen eine Zunahme von Übergewicht, Fettleibigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen fest, deren Ursachen „auch ein ungesundes Essverhalten und mangelnde Bewegung“ seien. Also wird die Regierung unter anderem aufgefordert, sich für besseres Essen in Krankenhäusern und Kantinen, Schulen und Kindergärten einzusetzen, den „Ernährungsführerschein“ in Grundschulen weiter zu ermöglichen und eben „gemeinsam mit der Lebensmittelwirtschaft und dem Lebensmittelhandel darauf hinzuwirken, dass ,quengelfreie‘ (süßigkeitenfreie) Kassen in Supermärkten angeboten werden“.

          Die Lebensmittelwirtschaft reagierte erwartungsgemäß humorlos: Dass Zucker und Fett allein für Übergewicht verantwortlich seien, sei „wissenschaftlich nicht begründet“; Lebensmittel seien nicht „per se gesund oder ungesund“. Eine „staatliche Entscheidung über die Bestückung der Kassenzone in Supermärkten“ lehnte der Spitzenverband BLL daher ab.

          Die Händler selbst allerdings scheinen bei der „Bestückung der Kassenzone“ weder auf die Schützenhilfe der Lebensmittelbranche noch auf die Menükarte des Bundestags angewiesen zu sein: Einige Lebensmittelhändler testen süßwarenfreie Kassenzonen schon längst. Der Discounter Lidl etwa verzichtet seit dem Sommer versuchsweise in einigen Läden auf Quengelware an den Kassen; in Großbritannien hat Lidl die Süßigkeiten schon seit Anfang 2014 komplett aus der Kassenzone entfernt und bietet stattdessen Nüsse, Obst oder Fruchtsäfte an. Bei der ebenfalls zur Schwarz-Gruppe gehörenden Handelskette Kaufland gibt es schon lange eine gesondert gekennzeichnete Kasse für genervte Eltern. Edeka stellt es seinen Händlern frei, ob sie Kassen ohne Süßigkeiten einrichten; von der Rewe-Gruppe wurden die Aufforderung des Bundestages und mögliche Konsequenzen noch nicht näher kommentiert.

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