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Neuer Ifo-Chef Fuest : „Das Euro-Grundgerüst ist nicht stabil“

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Zukünftiger Ifo-Chef Clemens Fuest lehrte viele Jahre an der britischen Universität Oxford. Bild: Frank Röth

EU-Zentralismus, Energiewende und die Geldpolitik der EZB: Der zukünftige Ifo-Chef Clemens Fuest sieht die Krise keineswegs als überwunden an. Im F.A.Z.-Interview teilt der Nachfolger von Hans-Werner Sinn gehörig aus.

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          Der künftige Präsident des Ifo-Instituts Clemens Fuest sieht die Euro-Krise noch keineswegs als überwunden an. "Das Euro-Grundgerüst ist nicht stabil", sagt Fuest im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (seit 20 Uhr im E-Paper). Zwar habe sich die Wirtschaft auch in einigen Krisenstaaten wieder etwas erholt, doch sei die Verschuldung nach wie vor sehr hoch. "Das wird nur überdeckt von billigem Geld." Die Europäische Zentralbank (EZB) habe angekündigt, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von Mitgliedstaaten aufzukaufen, denen private Investoren nicht mehr vertrauen.

          "Dadurch werden für einzelne Staaten Anreize gesetzt, sich auf Kosten anderer zu verschulden", warnt Fuest, der am 1. April das Amt des Ifo-Chefs von Hans-Werner Sinn übernimmt. Er sehe die Gefahr, dass die Eurozone zu einer Schulden-Haftungsgemeinschaft mutiere, sagt der 47 Jahre alte Finanzexperte.

          Fuest kritisiert die expansive Geldpolitik der EZB. "Die Risiken sind neue Blasen auf den Finanz- und Immobilienmärkten und eine Destabilisierung der Banken", sagt er. Viele Kleinsparer fühlten sich zudem enteignet. Die private Altersvorsorge werde durch die niedrigen Zinsen unattraktiv. "Viele Menschen werden länger arbeiten müssen oder im Alter einen niedrigeren Lebensstandard haben", sagt Fuest. All das seien unerwünschte Nebenwirkungen der Niedrigzinspolitik.

          Fuest, der sieben Jahre in Oxford gelehrt hat, warnt zudem vor einem möglichen Ausscheiden Großbritanniens aus der EU. Zum einen könne ein Terroranschlag vor dem Referendum die Stimmung umschlagen lassen. Zum anderen mobilisierten die EU-Gegner viel engagierter als die EU-Befürworter. "Es könnte also durch ungleiche Mobilisierung quasi als Unfall ein Austrittsentscheid herauskommen."

          Das wäre ein großer Verlust für Europa. Die Kritik der Briten an einer überzentralisierten EU könne er zum Teil nachvollziehen, sagt Fuest. Als wichtigsten Punkt nennt er, dass Freizügigkeit in der EU nicht freie Einwanderung in die Sozialsysteme anderer Länder bedeuten dürfe.

          „Das ist völlig daneben gegangen."

          Den scheidenden Ifo-Präsidenten Sinn, der die Leitung nach 17 Jahren übergibt, würdigt Fuest als herausragenden Wissenschaftler. "Hans-Werner Sinn hat mit sehr viel Engagement seine Thesen vertreten, immer auf Basis seiner Forschung, aber mit Begeisterung, und er hat dabei sehr stark über die Öffentlichkeit gewirkt. Wichtige Argumente wären ohne sein Engagement nicht durchgedrungen." Wissenschaftler sollten kontroverse Debatten auch in der Öffentlichkeit nicht meiden.

          "Man muss sich klarmachen, dass Wissenschaftler keine Roboter sind", sagt Fuest. Dazu zitierte er den Philosophen Karl Popper. "Popper hat einmal gesagt, zu verlangen, dass Wissenschaftler funktionieren wie mechanische, stets neutrale Produzenten von Informationen, würde bedeuten, ihnen die Menschlichkeit zu nehmen."

          In Deutschland warnt Fuest davor, die Arbeitsmarktreformen zurückzudrehen. Außerdem kritisiert er die Energiewende-Politik als "grundlegend falsch". "Wir haben im Grunde ein planwirtschaftliches, von Subventionen getriebenes System errichtet, das jetzt von sehr starken Lobbys verteidigt wird. Die Wind-Lobby und die Solar-Lobby streiten jetzt um Subventionen, und es ist schwer für die Politik, dem entgegenzutreten. Das ist völlig daneben gegangen."

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