https://www.faz.net/-gqe-8a4e5

Neue Studie : In München ist die gesetzliche Rente am wenigsten wert

Wie viel die Rente später einmal real wert ist, hängt davon ab, wo man wohnt: In München sind die Lebenshaltungskosten zum Beispiel höher als an vielen anderen Orten in Deutschland. Bild: dpa

Das Modell des Durschnittsrentners ist vielschichtiger als gedacht - das hat eine neue Studie festgestellt. Der Grund: Das Auskommen im Alter hängt weniger von der Rentenformel ab als von Region und Beruf.

          2 Min.

          Wer sich mit Elektrik auskennt und sein Leben im Hinblick auf die Rente optimieren will, geht am besten nach Tirschenreuth: Kurz vor der tschechischen Grenze sind die Lebenshaltungskosten niedrig, doch solides Handwerk ist gefragt und gut bezahlt. Ein typischer Elektroinstallateur kann dort im Jahr 2040 mit einer Monatsrente rechnen, die zu heutigen Preisen mehr als 1500 Euro entspricht. Berücksichtigt man die Lebenshaltungskosten, ist seine Rente rechnerisch sogar 1768 Euro wert. Sein Kollege aus München wird dagegen nur auf 1452 Euro Rente kommen – und die sind rechnerisch gar nur 1113 Euro wert.

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Solche und ähnliche Ergebnisse hat das Basler Prognos-Institut mit einer großen Modellrechnung für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ermittelt. Sie soll zeigen, dass sich hinter dem politisch viel beachteten Eckrentner eine sehr vielschichtige Wirklichkeit verbirgt. Der Eckrentner ist annahmegemäß eine Person, die vom 20. Lebensjahr bis zum Rentenalter durchgängig für den jeweiligen Durchschnittslohn gearbeitet hat. Im Jahr 2040 werden das 47 Jahre sein. Der Modellrechnung zufolge kann er mit 1680 Euro Rente rechnen.

          Bild: F.A.Z.

          Rentenniveau wird weiter sinken

          Tatsächlich verläuft kein Erwerbsleben so gleichförmig. Was die gesetzliche Rente für einzelne Versicherte leistet, unterscheidet sich vielmehr stark nach Beruf und Region. Für die Studie wurden daher einige typische Berufe untersucht und, verknüpft mit Daten zu Arbeitsmarkt und Lebenshaltungskosten, für alle Städte und Kreise verglichen. Die Berechnung gründet naturgemäß auf vielen Annahmen; gewissermaßen nebenbei ergeben sich damit auch Hinweise auf die langfristige Entwicklung allgemeiner Eckdaten der Rentenversicherung. Dazu zählt der Beitragssatz: Prognos zufolge steigt er bis 2040 von derzeit 18,7 Prozent des Bruttolohns auf 24 Prozent, falls die Wirtschaft jährlich um 1,3 Prozent wächst und sich die Alterung der Gesellschaft einschließlich Einwanderung im Rahmen üblicher Annahmen bewegt. Die Regierung blickt bisher nur bis 2030 voraus; bis dahin darf der Beitrag laut Gesetz höchstens 22 Prozent erreichen. Zugleich dürfte das durchschnittliche Rentenniveau – derzeit 48 Prozent des Lebensdurchschnittseinkommens – laut Prognos zufolge nach 2030 unter den bis dahin gesetzlich vorgesehenen Schwellenwert von 42 Prozent sinken.

          Die Studie macht indes sehr deutlich, dass das Rentenrecht in der Praxis nur einer von vielen Faktoren ist, die bestimmen, wie gut jemand im Alter mit seiner Rente zurechtkommt. Genauso wichtig sind die Faktoren Arbeitsmarkt und Region. So erzielt ein Entwicklungsingenieur in der zweiten Hälfte seines Berufslebens in der Regel fast das Doppelte des Durchschnittslohns, wie die Studie zeigt. Zum anderen zahlt er seine Beiträge sehr konstant, da ein Ingenieur kaum Zwangspausen durch Arbeitslosigkeit fürchten muss. Ihm winken 2600 Euro Rente. Eine Verkäuferin erreicht dagegen in der Regel nur drei Viertel des Durchschnittslohns. Zudem wird sie typischerweise für einige Jahre in Elternzeit gehen. Überdies droht ihr, wie dem Installateur, je nach Region auch Arbeitslosigkeit. All das drückt die spätere Rente. Die Durchschnittsverkäuferin darf laut Studie 2040 mit 1090 Euro rechnen. Wie viel sie davon kaufen kann, hängt wiederum vom Wohnort ab.

          Bild: F.A.Z.

          Durchgehende Erwerbsbiographien seien „die beste Voraussetzung für ein gutes Vorsorgefundament“, betonte GDV-Präsident Alexander Erdland. Damit der individuell unterschiedliche Bedarf an ergänzender Vorsorge sinnvoll gedeckt werden könne, müsse die Politik indes verlässliche Rahmenbedingungen für die betriebliche und private Vorsorge schaffen.

          Rente? Ohne mich! : Senioren drängen zurück ins Berufsleben

          Weitere Themen

          CureVac-Impfstoff floppt Video-Seite öffnen

          Geringe Wirksamkeit : CureVac-Impfstoff floppt

          Der Corona-Impfstoff hat Untersuchungen zufolge nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent. CureVac will die Studie aber bis zu ihrer finalen Auswertung mit weiteren Corona-Fällen fortsetzen.

          Topmeldungen

          Schwieriges Terrain für die grüne Parteichefin: Annalena Baerbock am Freitag im Stahlwerk von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt

          Besuch im Stahlwerk : Baerbocks Auswärtsspiel

          Ausgerechnet in einem Stahlwerk in Eisenhüttenstadt präsentiert die Kanzlerkandidatin der Grünen ihre Pläne für eine klimafreundliche Wirtschaftpolitik. Wie kommt das an?
          Die frühere AfD-Vorsitzende Frauke Petry stellt am 18. Juni ihr neues Buch vor.

          Neues Buch : Frauke Petry rechnet mit der AfD ab

          Die ehemalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry meint, dass ihre frühere Partei einen langsamen Tod sterben werde. Gegen Jörg Meuthen und Alice Weidel erhebt sie in ihrem Buch „Requiem für die AfD“ schwere Vorwürfe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.