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Neue Online-Datenbank : Patientendaten aller Briten werden verkauft

  • Aktualisiert am

Patientendaten der britischen Bevölkerung werden in einer Datenbank gesammelt Bild: dpa

Die britische Gesundheitsbehörde NHS will Patientendaten der gesamten Bevölkerung sammeln. Versicherer und Pharmakonzerne können diese Daten dann kaufen. Die Empörung ist groß.

          2 Min.

          Versicherungsunternehmen und Pharmakonzerne sollen künftig Patientendaten der gesamten britischen Bevölkerung kaufen können. Wie die britische Zeitung Guardian berichtet, will der staatliche Gesundheitsdienst NHS eine Datenbank aufbauen, die Informationen etwa zu psychischen Leiden, Krankheiten wie Krebs sowie zu Rauch- und Trinkgewohnheiten enthalten soll. Die Daten sollen aus Krankenakten von Hausärzten und  Krankenhäusern zusammengesammelt und digitalisiert werden.

          Während Befürworter sich von der Plattform schnellere medizinische Fortschritte etwa bei der Entwicklung von Medikamenten erhoffen, zeigen sich Datenschützer besorgt. So gebe es für die Öffentlichkeit keine Möglichkeit zu überprüfen, wer ihre medizinischen Daten hat und wozu sie verwendet werden. Sobald die Datenbank online ist, was noch in diesem Jahr der Fall sein soll, können Forschungseinrichtungen von Universitäten aber auch Versicherer und Pharmaunternehmen sich dort anmelden, um die Patientendaten zu kaufen. Die Daten enthalten auch Angaben etwa zum Geburtsdatum, der Postleitzahl, Rasse oder Geschlecht des Patienten – und sind damit nicht vollständig anonymisiert. Experten sprechen in solchen Fällen von „Pseudonymisierung“.

          Patientendaten sind äußerst wertvoll

          Das Informationszentrum für Gesundheits- und soziale Vorsorge HSCIC, das die neue Datenbank beaufsichtigen soll, sagte, es gebe ein „kleines, theoretisches Risiko“, dass bestimmte Patienten identifiziert werden könnten. Denn Versicherer und Pharmaunternehmen haben bereits eigene medizinische Daten, die sie mit den „pseudonymisierten“ Krankenakten kombinieren könnten.

          Patientendaten sind – auch in Deutschland - für die Gesundheitsindustrie äußerst wertvoll. Sie lassen Rückschlüsse darauf zu, welche Medikamente in welchen Regionen besonders gefragt sind und welche Medikamente am dringendsten entwickelt werden müssen. Große IT-Konzerne wie IBM gehen davon aus, dass ein Drittel aller Daten, die in Zukunft auf der Welt produziert werden, sich dem Gesundheitsmarkt zuordnen lassen.

          Für die Bevölkerung sind medizinische Daten hingegen besonders sensibel. Nachdem Dokumente des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden in den vergangenen Monaten enthüllt haben, dass der amerikanische Geheimdienst NSA massenhaft E-Mails und Telefonate abhört und umfangreiche Bewegungsprofile erstellt, wird die Sorge vor dem „gläsernen Bürger“ immer größer.

          Auf der Internetseite des Guardian schrieben Leser innerhalb weniger Stunden mehr als 900 Leser Kommentare; viele zeigten sich besorgt darüber, dass ihre Daten für kommerzielle Zwecke genutzt werden könnten oder dass ihnen Nachteile bei der Suche nach einer Versicherung oder einem Arbeitsplatz entstehen könnten.

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