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Neue Lebensformen in Freiburg : Vorzeigeviertel für Ökologiebewusstsein

  • -Aktualisiert am

Freiburger Altstadt mit dem Schwabentor (links) und dem Münster (rechts) Bild: dpa

Lange war Freiburg beim energiebewussten Bauen vorn. Doch viele Städte und Kommunen holen auf. Der Grund: Immer strengere gesetzliche Vorschriften. An die Fördertöpfe kommt nur, wer hohe Energieauflagen erfüllt.

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          Im Vauban ist es bunter und stiller als in anderen Freiburger Stadtteilen. Das liegt wohl zum einen an den vielfarbigen, individuell gestalteten Häuserfassaden, zum anderen an dem strikten Autoverbot, das auf dem ehemaligen Kasernengelände herrscht. Lange galt das von 1998 bis 2006 gebaute Wohnviertel mit seinen Mehrgenerationenhäusern, Solaranlagen und dem Badenova-Holzblockheizkraftwerk als Aushängeschild für alternatives, grünes Wohnen. Heute sind nur noch Restlücken frei, und die werden bebaut. „Die meisten, die im Vauban gebaut haben, nutzten die Förderprogramme der KfW und haben allein deshalb schon einen hohen Energieeffizienz-Standard eingehalten“, berichtet Geschäftsführer Wolfgang Beha von der Freiburger Bauberatung Beha + Beier. Aber auch die energiebewusste Einstellung der Wohnungsbesitzer hat dazu beigetragen, dass es im Vauban ungefähr 5 Prozent Passivhäuser gibt. Das sei überdurchschnittlich viel, so Beha. Zudem habe der Bebauungsplan für Vauban unter anderem Dachbegrünungen bei Flachdächern vorgeschrieben.

          Im Vauban zu leben heißt für die mehr als 5000 Bewohner jedoch nicht nur, energiesparend zu bauen: „Vauban ist eine ganz eigene Lebensform“, sagt Johannes M. Hartmann, Geschäftsinhaber von Hartmann Immobilien in Freiburg. Die vielen Touristengruppen, die sich durch die verwinkelten Wege des Stadtteils schlängeln und dabei die Anwohner wie exotische Zootiere betrachten, unterstreichen den Sonderstatus dieses Viertels.

          So entstand durch den besonderen Mix aus Ökologiebewusstsein und neuen Wohnformen ein Vorzeigeviertel, das den Ruf der Breisgau-Metropole nachhaltig prägte: „Freiburg steht wohl viel stärker als andere deutsche Städte für energiebewusstes Bauen und Wohnen“, sagt Bauberater Beha. Allerdings bekommt das Image der Stadt an der Dreisam langsam erste Kratzer: So hinkt die Stadt am Rande des Schwarzwalds derzeit den selbst gesteckten Energiezielen deutlich hinterher. Statt der anvisierten 10 Prozent Stromgewinn aus erneuerbaren Energien schafft Freiburg nur knapp 4 Prozent. Hinzu kommt auch, dass andere Städte und Kommunen mittlerweile in puncto Energieeffizienz nachgezogen haben.

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          Der Einsatz eines Blockheizkraftwerks lohnt sich

          Und auch in den anderen Stadtteilen von Freiburg zeigt sich der Wandel hin zu energiebewusstem Wohnen: So werden mittlerweile auch Blockheizkraftwerke, sogenannte Mini-BHKWs, eingesetzt. Eines davon steht in einem Freiburger Studentenwohnheim mit rund 100 Appartements und deckt 25 Prozent des gesamten Energiebedarfs des Hauses ab.

          Die Wahl eines Studentenwohnheims als Einsatzort des BHKW hatte ganz konkrete Gründe: „Anders als bei einem normalen Mehrfamilienhaus verteilt sich in einem Studentenwohnheim die Nutzlast kontinuierlicher über den Tag verteilt, weil nicht alle Bewohner zur gleichen Zeit aufstehen, duschen, waschen oder im Haus sind“, erklärt Dieter Kuhn, der als Geschäftsführer der Dieter Kuhn Immobilienservice GmbH das Haus verwaltet. Dadurch lohne sich der Einsatz eines Blockheizkraftwerks, weil es einfach weniger Spitzenlastzeiten gebe. Und auch die Mieter profitierten, denn sie zahlen „aufgrund des BHKWs etwa 20 Prozent weniger Heizkosten“, so Kuhn. In etwa zehn Jahren, rechnet Kuhn, werde sich die BHKW-Investition von rund 60.000 Euro amortisiert haben. Zwei Vorteile kommen dabei zum Tragen: Ein Blockheizkraftwerk produziert zum einen Strom, den man bei Bedarf auch ins Stromnetz einspeisen kann, wodurch man Geld verdient. Zum anderen kann man die entstehende Abwärme für das Warmwasser nutzen.

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