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Neue Anpassung : 2,5 Prozent Aufschlag für die Rentner

Bild: F.A.Z.

Mitten in der Krise bekommen die Rentner die größte Anpassung seit der Wiedervereinigung. Zudem profitieren sie vom Konjunkturpaket II. Selbst unter Berücksichtigung der Inflation bleibt den Rentnern ein reales Plus von zwei Prozent im Portemonnaie.

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          Die 20 Millionen Rentner in Deutschland können im Sommer mit einer Rentenerhöhung von rund 2,5 Prozent rechnen. Damit dürften ihre Bezüge nach einigen mageren Jahren in diesem Jahr stärker steigen als die Löhne vieler Arbeitnehmer.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Allerdings fällt die Anpassung etwas schwächer aus, als die Rentenschätzer im vergangenen Herbst erwartet hatten. Damals hatten sie angenommen, dass die Altersbezüge aus der gesetzlichen Rentenversicherung um 2,75 Prozent steigen. Die auf das Hundertstel genaue Rentenanpassung einschließlich der Differenzierung nach Ost und West will das Statistische Bundesamt am 26. März bekanntgeben. In demselben Maße wie die Renten steigen zum 1. Juli 2009 auch die Auszahlungen an die rund 6,6 Millionen Hartz-IV-Empfänger.

          Rentner profitieren überdies vom Konjunkturpaket II

          Nach der aktuellen Rechnung der Statistiker stiegen die Entgelte der Arbeitnehmer, an denen sich die Rentenanpassung orientiert, in Deutschland 2008 um 2,3 Prozent. Positiv wirkt sich in der Rentenberechnung überdies aus, dass die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zur Rentner-Zahl zunahm: Der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor führt hier zu einem zusätzlichen Rentenplus von 0,3 Prozent. Ein leichter Abschlag von 0,1 Prozent wiederum wird damit erklärt, dass einige Einkommen – etwa Ein-Euro-Jobs von Arbeitslosen – aus der für die Rente relevanten Lohnsumme herausgerechnet werden.

          Somit ergibt sich ein Anstieg von etwa 2,5 Prozent. Die Rentner profitieren überdies von der im Konjunkturpaket II vereinbarten Entlastung in der Krankenversicherung. Die Senkung des Beitragssatzes von 0,6 Prozent kommt je zur Hälfte dem Rentner und der Rentenversicherung zugute. Damit summiert sich der Aufschlag im Portemonnaie des Ruheständlers auf 2,8 Prozent.

          Größte reale Erhöhung seit der Wiedervereinigung

          Selbst unter Berücksichtigung der Inflation, die derzeit von der Bundesregierung auf rund 0,8 Prozent beziffert wird, liegt damit die reale Rentenanpassung bei 2 Prozent – das ist die größte reale Erhöhung seit der Wiedervereinigung. Zu dem Rekordplus trägt allerdings auch die Sonderregelung bei, die die Koalition im vorigen Jahr beschlossen hatte, „um die Rentner stärker am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben zu lassen“. Damals hatte die Koalition dafür gesorgt, dass der üblicherweise den Rentenanstieg dämpfende Riester-Faktor (als Ausgleich für die zusätzliche private Altersvorsorge der Arbeitnehmer) 2008 und 2009 ausgesetzt wird. Dies führte im vergangenen Jahr zu einem außerplanmäßigen Rentenanstieg von 1,1 Prozent; ohne Verzicht auf den Riester-Faktor wären es nur 0,46 Prozent gewesen. Auch in diesem Jahr fällt die Rentenanpassung entsprechend um rund 0,65 Prozentpunkte höher aus als ohne Manipulation an der Rentenformel.

          Im kommenden Jahr jedoch werden sich die Rentner aller Voraussicht nach wieder bescheiden müssen, zumal dann der Riester-Faktor wieder gilt. Es ist zu befürchten, dass wegen der krisenhaften Entwicklung am Arbeitsmarkt der Rentenanstieg von 1,8 Prozent, den die Bundesregierung noch in ihrem jüngsten Rentenversicherungsbericht vom November für 2010 vorhersagt, nicht erreicht werden kann. Voraussichtlich wird sich wegen der sinkenden Beschäftigung 2010 auch der Nachhaltigkeitsfaktor erstmals seit seiner Einführung dämpfend auf die Rentenentwicklung auswirken.

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