https://www.faz.net/-gqe-wf2q

Neapel : Müll aus Italien kommt nach Deutschland

Noch immer liegt in der Region um Neapel der Müll auf den Straßen Bild: dpa

Ein größerer Teil des Mülls von den Straßen Neapels soll nun in Deutschland landen. Statt wie in den vergangenen Wochen drei oder vier Güterzüge sollen künftig bis zu 25 Müllzüge aus Neapel nach Deutschland rollen. In den italienischen Medien gibt's deshalb Seitenhiebe auf die Deutschen.

          2 Min.

          Ein größerer Teil des Mülls von den Straßen Neapels soll nun in Deutschland landen. Nach Berichten des italienischen Staatssenders Rai und der neapolitanischen Lokalzeitung „Il Mattino“ ist geplant, die Mülltransporte aus Neapel nach Deutschland von 2500 Tonnen auf 17.500 Tonnen in der Woche zu erhöhen. Statt wie in den vergangenen Wochen drei oder vier Güterzüge sollen künftig bis zu 25 Müllzüge aus Neapel nach Deutschland rollen.

          Tobias Piller
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Derzeit sollen in Kampanien, einer Region fast so groß wie Thüringen, zwischen 100.000 und 150.000 Tonnen Müll auf den Straßen liegen. In diversen Städten wurden die Schulen geschlossen, weil von den Müllbergen in der Nähe Gesundheitsgefahren ausgehen. Um die wilden Abfallhalden abzubauen, hat die italienische Regierung nun die anderen Regionen Italiens gebeten, zumindest vorübergehend Abfall aus Kampanien zu akzeptieren. Doch daraus ist sofort politische Polemik entstanden. Denn die wohlhabenden und wohlorganisierten Regionen des Nordens haben bei der letzten Parlamentswahl mehrheitlich gegen das regierende Mitte-links-Bündnis gestimmt. Sie beschweren sich über steigende Steuerquoten und blockierte Infrastrukturprojekte. Wenn nun die Regierung und ihre Verbündeten in Kampanien bei der Müllentsorgung gescheitert sind und deshalb den Abfall nach Norden schicken, ist dies ein Grund, daraus politisches Kapital zu schlagen.

          Proteste in der sardischen Hauptstadt

          Wegen der Mülltransporte kam es am Wochenende bereits zu Straßenschlachten in der sardischen Hauptstadt Cagliari. Dort war ein Schiff mit Abfall aus Neapel von Protesten der rechten Oppositionsparteien und von Autonomisten empfangen worden, die später zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei führten. Ministerpräsident Romano Prodi verlangte daher auf einer Auslandsreise wütend, die Regionen müssten zusammenarbeiten, um die „nationale Schande“ zu tilgen. Bisher gibt es aber offenbar nur Zusagen für die Aufnahme von 60.000 bis 70.000 Tonnen Müll.

          Auch nach Sardinien wurde der Unrat schon verschifft - nun ist Deutschland dran
          Auch nach Sardinien wurde der Unrat schon verschifft - nun ist Deutschland dran : Bild: dpa

          Die Mülltransporte nach Deutschland werden in den italienischen Medien mit Seitenhieben auf die Geschäftemacherei der Deutschen versehen. Deutschland habe sich freiwillig zur Müllkippe Europas gemacht, hieß es in den Hauptnachrichten des Staatssenders Rai, doch die Deutschen verdienten gut daran. Angeblich kosten der Transport und die Entsorgung einer Tonne Mülls in Deutschland 200 Euro, das Doppelte einer Entsorgung in Italien. Die Müllzüge der vergangenen Wochen sollen eine Müllverbrennungsanlage im sächsischen Markkleeberg bei Leipzig zum Ziel gehabt haben. Dort ist man offenbar in der Lage, den nicht nach Wertstoffen getrennten Müll aus Neapel maschinell zu sortieren und zu verwerten.

          Weitere Themen

          Amazon sorgt für Enttäuschung

          Online-Händler : Amazon sorgt für Enttäuschung

          In der Pandemie haben Kunden viel online bestellt. Nun wächst der Konzern deutlich langsamer – und bekommt in Europa eine hohe Geldstrafe auferlegt.

          Topmeldungen

          Schulklasse in Bayern

          „Für mich unbegreiflich“ : Krankenhausgesellschaft kritisiert RKI

          Im Streit um eine mögliche Abkehr von der Sieben-Tage-Inzidenz als Hauptrichtwert in der Corona-Politik bemängelt die Deutsche Krankenhausgesellschaft das Verhalten des RKI. Es könne nicht sein, dass das Institut auf allen Daten sitze, aber keine neuen Vorschläge mache.
          Einsatz in Kirli: Feuerwehrleute versuchen ein Feuer in der türkischen Provinz Antalya unter Kontrolle zu bringen.

          Brände in Türkei und Italien : Heftige Feuer im Mittelmeerraum

          In der Türkei und in Italien brennen die Wälder. Schuld sind womöglich Brandstifter. Eine seit Anfang der Woche andauernde Hitzewelle in Griechenland geht indes auf ihren Höhepunkt zu – mit Temperaturen von bis zu 45 Grad.
          Markus Söder im Landtag, im Vordergrund Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Rednerpult

          Testpflicht und Impfregime : Söders Sorgen

          Die Testpflicht ist das Eingeständnis von Bund und Ländern, dass ihre Strategie nicht aufgegangen ist. Die Impfmüdigkeit ist zu groß. Der Grund: Eigensinn und Politiker wie Hubert Aiwanger.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.