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Nach Selbstanzeige : Hoeneß droht Strafe wegen Steuerhinterziehung

Im Fokus: Kameramann wartet auf Bayern-München-Manager Hoeneß vor seinem Haus in Bad Wiessee Bild: SEYBOLDT4MEDIA

Nach der Selbstanzeige von Uli Hoeneß wegen eines Schwarzgeldkontos in der Schweiz wird darüber gerätselt, wieviel Geld er dort wohl „geparkt“ hat. Bei den diskutierten Summen scheint sogar eine Gefängnisstrafe möglich.

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          Nach seiner Selbstanzeige wegen eines Schwarzgeldkontos in der Schweiz wird Uli Hoeneß, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München, aus Politik und Wirtschaft heftig kritisiert. SPD und Grüne werten den Fall als Bestätigung, dass sie mit ihrer Blockade des Steuerabkommens mit der Schweiz richtig gelegen hätten. Wenn das deutsch-schweizerische Abkommen zum Jahreswechsel in Kraft getreten wäre, hätte sich Hoeneß nicht dem Finanzamt offenbaren müssen. Er wäre damit auf elegante Weise straffrei davongekommen, argumentieren sie. Tatsächlich wäre hinterzogenes Geld in der Schweiz pauschal und anonym nachversteuert worden.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin erklärte, Hoeneß sei gerngesehener Gast bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und auf CSU-Vorstandstagungen gewesen. „Wir wissen nun, welche Leute Schäuble, Seehofer und Merkel mit dem Schweizer Steuerabkommen schützen wollten: inzwischen geständige Steuerhinterzieher wie Uli Hoeneß.“

          Schäuble schweigt

          Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lehnte in Washington jeden Kommentar zu dem Fall ab. „Wenn jemand kraft Amtes nichts zu dem Vorgang sagt, ist es der Bundesfinanzminister“, antwortete Schäuble auf eine entsprechende Frage. Er habe darüber gelesen, aber jeder Kommentar wäre falsch.

          Hatte auf ein Steuerabkommen mit der Schweiz gehofft: Uli Hoeneß
          Hatte auf ein Steuerabkommen mit der Schweiz gehofft: Uli Hoeneß : Bild: dpa

          Hoeneß selbst hatte seine Selbstanzeige gegenüber dem Magazin „Focus“ mit dem Scheitern des Steuerabkommens begründet. Wie viel Geld der 61 Jahre alte Unternehmer, der bald nach seiner aktiven Fußballerkarriere als Wurstfabrikant finanziell unabhängig wurde, dem Fiskus entzogen hat, ist unklar. Angeblich soll Hoeneß eine Abschlagszahlung auf seine Steuerschuld von 6 Millionen Euro geleistet haben. Der Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler, folgerte daraus, dass Hoeneß in der Schweiz Einnahmen von mindestens 10 Millionen Euro „geparkt“ haben müsse. Ob Hoeneß die Selbstanzeige im Januar rechtzeitig stellte, um straffrei davonzukommen, ist ohne Kenntnis des Ermittlungsstandes der Steuerfahnder nicht zu beantworten. Grundsätzlich gilt: Stehen Fahnder vor der Haustür, ist es für eine strafbefreiende Selbstanzeige zu spät.

          Besuch am Tegernsee

          Jenseits dieses Falls streiten sich Fachleute aber, wann eine Steuerhinterziehung als entdeckt zu gelten hat und es damit zu spät für Straffreiheit ist. Ob etwa die Kenntnis eines Nummernkontos ohne den dahinterstehenden Eigentümer schon einer Entdeckung entspricht, ist zumindest zweifelhaft. Hoeneß’ Villa am Westufer des Tegernsees soll im März von der Staatsanwaltschaft durchsucht worden sein. Bei den diskutierten Summen scheint eine Gefängnisstrafe möglich.

          Normalerweise sind die Finanzbehörden aber recht großzügig, sodass Hoeneß gute Chancen haben könnte, straffrei oder zumindest nur mit einer Vorstrafe davonzukommen. Auf jeden Fall dürfte die Selbstanzeige strafmildernd berücksichtigt werden. Doch ist auch dann die hinterzogene Steuer mit Verzugszinsen plus einem Aufschlag zu überweisen, sodass je nach Dauer der Hinterziehung das in der Schweiz liegende Geld zu großen Teilen an den Fiskus fließen dürfte.

          Andere strafrechtliche Fragen würden sich stellen, sollte Hoeneß das Geld für den FC Bayern München in der Schweiz geparkt haben. Dann drohte ihm eine Verurteilung wegen Untreue. Unter Managern der Fußball-Bundesliga gelten Spekulationen über Schwarzgeldkonten des Vorzeigeklubs indes als abwegig.

          „Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, sondern kriminell“, sagte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück der „Rheinischen Post“. Für Hoeneß dürfe es „keinen Promi-Bonus geben, aber auch keinen Promi-Malus und keine Vorverurteilung“. Der SPD-Fraktionsvize Joachim Poß fühlte sich bestätigt, dass die Opposition im Bundesrat das deutsch-schweizerische Steuerabkommen scheitern ließ. Andernfalls wären Kanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble zu Komplizen dieser Steuerstraftäter geworden: „Union und FDP wollten mit der Steueroasengarantie für die Schweiz auch ihren Sympathisanten wie Uli Hoeneß, die ihre Millionen in der Schweiz vor dem Finanzamt verstecken, entgegenkommen.“

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