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Nach Preisverfall : Lidl schlägt Sondersteuer für Milch vor

Im Klischee-Idyll: Eine Bäuerin melkt die Kuh auf der Weide, von Hand. Bild: dpa

Die Bauern beklagen sich über niedrige Milchpreise, die Regierung will etwas ändern. Jetzt meldet sich der Discounter Lidl zu Wort – und sagt: Wie teuer die Milch ist, ist ihm egal.

          Der niedrige Milchpreis, der mittlerweile zur Bedrohung vor allem für kleinere Milchbauern wird, hängt nicht mit dem Preiskampf unter den Einzelhändlern zusammen, betont Klaus Gehrig, Chef der Schwarz-Gruppe in Neckarsulm, zu der Lidl und Kaufland gehören. „Das Problem ist doch: es wird zu viel produziert“, sagte Klaus Gehrig im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Am Montag trifft sich Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt mit Vertretern des Bauernverbands zu einem Milchgipfel, um zu beraten, was den Bauern helfen könnte. Der Bauernverband hat schon einmal „konkrete, sofort wirksame Unterstützung“ gefordert – und zwar in Form von Geld, zum Beispiel als Kredite oder als Steuerentlastungen.

          Verbraucher kaufen wenig teure Milch

          Lidl und Kaufland dagegen sei der genaue Milchpreis nicht so wichtig, sagt Gehrig. „Unseren Einkäufern ist es im Prinzip egal, wie hoch der Milchpreis ist. Wichtig ist, dass der Einkaufspreis so hoch oder so niedrig ist wie für andere Händler auch.“ Die Lösung liegt für Gehrig daher auf der Hand: „Wenn der Staat etwas regeln will, dann soll der Staat es regeln. Durch eine Sondersteuer, die alle gleichermaßen trifft“, schlägt er vor.

          Das Einkaufsverhalten der Verbraucher habe sich nicht geändert, seit klar ist, dass die niedrigen Milchpreise manchen Bauern ruinieren werden, berichtet Sven Seidel, der die Lidl-Sparte führt. Prinzipiell hätten die Verbraucher sogar bei dem Discounter selbst die Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen. So ist Lidl Kunde bei einem Milchbetrieb aus Bayern, der seinen Milchbauern einen etwas höheren Preis ausschüttet. Allein von Lidl seien in den vergangenen sechs Jahren zwölf Millionen Euro an diese Bauern geflossen, sagt Seidel. Aber der Anteil dieser etwas teureren Milch mache am gesamten Milchabsatz nur einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz aus – vor der Milchkrise wie auch jetzt.

          Lidl und Kaufland steigern den Umsatz

          Trotz des Preiskampfs und des dadurch sinkenden Preisniveaus in den Discountern haben Lidl und Kaufland ihre Umsätze kräftig gesteigert. Um 8 Prozent auf 85,7 Milliarden Euro nahm im Geschäftsjahr 2015/2016 (bis 29. Februar) der Umsatz der Handelsgruppe zu, wie Klaus Gehrig, Gesellschafter der Schwarz Unternehmens-Treuhand (SUT) gegenüber der F.A.Z. berichtete.

          Das Stiftungsunternehmen mit Sitz in Neckarsulm im nördlichen Baden-Württemberg gehört damit zu den größten Handelskonzernen der Welt. Noch etwas größer sind bisher noch die amerikanischen Konzerne Walmart, Costco und Kroger, erst nach der Schwarz-Gruppe kommen Tesco, Carrefour, Aldi und Metro. Allein auf Lidl entfallen 64,6 Milliarden Euro, während Kaufland einen Umsatz von 21,1 Milliarden Euro realisiert hat. Insgesamt arbeiten 375.000 Mitarbeiter für den Konzern,  das sind 25.000 Personen mehr als im Vorjahr.

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