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Nach Doc-Morris-Übernahme : Celesio will zügige Liberalisierung des Apothekenmarkts

  • -Aktualisiert am

Sucht das Geschäft mit dem Endverbraucher: Celesio-Chef Fritz Oesterle Bild: dpa

Erst am Donnerstag übernahm Celesio die Internetapotheke Doc Morris. Nun wünscht der Pharmagroßhändler eine Marktöffnung noch vor der europäischen Gerichtsentscheidung. Unterstützung kommt sogar von der Konkurrenz.

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          Nach der Übernahme der international tätigen Apotheke Doc Morris durch den Pharmagroßhändler Celesio wächst der Druck für eine zügige Liberalisierung des deutschen Apothekenmarktes. In einem Brief an Abgeordnete des Deutschen Bundestages schreibt Celesio-Vorstandschef Fritz Oesterle, eindeutige Signale aus der Europäischen Union deuteten darauf hin, dass der Prozess der Marktöffnung „nicht mehr aufzuhalten sein wird“. Die Politik dürfe „den ordnungspolitischen Rahmen nicht den Gerichten überlassen“.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Oesterle verweist zur Begründung auf die von der Europäischen Kommission eingeleiteten wettbewerbsrechtlichen Untersuchungen der Pharmamärkte in Italien, Spanien, Österreich und Frankreich. Diese würden auch auf dem deutschen Apothekenmarkt Veränderungen nach sich ziehen. Nachdem schon die Saarländische Landesregierung das deutsche Fremdbesitzverbot für Apotheken in Frage gestellt habe, gingen viele Sachverständige davon aus, dass der Europäische Gerichtshof diese Position bestätigen und den Apothekenmarkt öffnen werde.

          Celesio verfolgt eigene wirtschaftliche Interessen

          Oesterle fordert die Politiker auf, selber aktiv zu werden und nicht auf eine europäische Gerichtsentscheidung zu warten, die dann den Ordnungsrahmen auch für Deutschland vorgebe. Der Vorstandschef von Celesio verschweigt in dem Brief nicht, dass das Unternehmen mit der Übernahme von Doc Morris eigene wirtschaftliche Interessen verfolgt und das Geschäft mit dem Endverbraucher sucht.

          Unterstützung erfuhr er durch den Pharmagroßhändler Anzag. Versandhandel, Discount-Apotheken und Abholstationen für Medikamente würden den Pharmamarkt verändern, erklärte Anzag-Chef Thomas Trümper. Dies könne man „begrüßen oder bedauern, aber wohl nicht ändern“. Trümper stellte hingegen klar, dass Anzag selbst kein Interesse am Endkundengeschäft oder an der Bildung einer Apothekenkette habe.

          „Ein klares Zeichen gegen Discountanbieter“

          Die schätzungsweise 200 Millionen Euro teure Übernahme von Doc Morris durch den größten Pharmagroßhändler Europas Celesio, der in anderen Staaten auch Apothekenketten betreibt, war bei den deutschen Apothekern auf Kritik gestoßen. Doc Morris betreibt eine Internetapotheke in den Niederlanden, baut derzeit aber auch eine eigene Apothekenmarke mit einem Franchise-Konzept in Deutschland auf. In Deutschland sind der Besitz und der Betrieb von Apotheken allein Apothekern vorbehalten, zudem dürfen keine Apothekenketten betrieben werden. Ein Apotheker darf maximal vier Apotheken betreiben.

          Dennoch hatte Doc Morris als niederländische Gesellschaft mit Zustimmung der Saarländischen Landesregierung und unter Berufung auf die Freizügigkeitsregeln der Europäischen Union im Saarland eine Apotheke gekauft. Ob das rechtens war, soll nun auf Beschluss des saarländischen Verwaltungsgerichts der Europäische Gerichtshof klären. Doc Morris will in Deutschland eine Apothekenkette aufbauen. Die mehrheitliche Übernahme von Doc Morris begründet Oesterle damit, dass Celesio, die im deutschen Pharmamarkt unter dem Namen Gehe antritt, „ein klares Zeichen gegen Discountanbieter und apothekenferne in- und ausländische Interessenten“ setzen wolle.

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