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Wahlen : Die Burmesen wollen endlich der Armut entrinnen

Burma bereitet sich auf die Wahlen vor Bild: Reuters

Die Hoffnungen sind groß, dass das einst so reiche Land einen guten Weg in die Zukunft findet. Gewiss ist dies keineswegs.

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          Weder westliche Politiker, für die es Mode ist, das Land zu bereisen, noch Manager, die nach Investitionszielen suchen, kennen das wirkliche Burma. Viel näher am echten Myanmar, wie sich Burma nennt, ist ein Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten aus Traunstein. Denn Eberhard Biesinger und ein Team deutscher Krankenschwestern und befreundeter Ärzte opfern in jedem Jahr ihren Urlaub, um den Armen und den Ärmsten im Dorfspital von Thandwe längst überfällige Operationen zu schenken - oder auch schon mal einen Käfer aus dem Ohr zu ziehen. Biesinger und seine Freunde sind dank deutscher Spender auch in diesen Wochen wieder im Einsatz. Die Metropole Rangun ist weit weg, die neue, klinisch-kalte Hauptstadt Naypidaw nicht mehr als ein Name, und Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi bei den Buddhisten gern, aber selten gesehen. Die historische Wahl am Sonntag beschäftigt die Menschen; doch viel mehr sind sie mit ihrem Überleben beschäftigt.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Ihre Chancen haben sich verbessert, seit das Militär von März 2011 an überraschend politische Reformen zuließ. Allerdings ist die Voraussetzung für ein besseres Leben auch in der Provinzstadt Thandwe, dass die erste freie Wahl des Landes seit einer Generation an diesem Sonntag friedlich verläuft. Das allein wäre ein Erfolg, denn die Generäle wollen der Volksheldin Suu Kyi die Präsidentschaft versagen, sollte sie einmal mehr mit ihrer Nationalen Liga für Demokratie (NDL) gewinnen. Sie aber beharrt auf ihrem Anspruch: „Ich werde die Regierung führen, und wir werden einen Präsidenten haben, der entsprechend der Politik der NLD arbeiten wird“, sagte die 70-Jährige gerade.

          An ihrem Programm hat sie in den vergangenen Jahren keinen Zweifel gelassen. Auch auf Spitzentreffen der Wirtschaft dringt sie darauf, zuallererst die Armut in ihrem Land zu bekämpfen und Investitionen darauf abzuklopfen, was sie dem Volk bringen. Dies richtet sich vor allem an chinesische Investoren, die das Land Hand in Hand mit den Familien der immer noch herrschenden Generäle über Jahre geplündert haben. Heute ist ihr Ruf beschädigt. Dafür nutzen Japaner, Amerikaner und Europäer die neue Freiheit, um nach Burma vorzudringen. Wie stets ist die Textilindustrie dabei der Vorkämpfer. Viele andere Unternehmen ziehen es freilich immer noch vor, ihre bislang noch kleinen Geschäfte aus Bangkok oder Singapur heraus zu steuern.

          Groß sind die Hoffnungen, dass das einst reichste Land Südostasiens einen friedlichen Weg in die Zukunft findet. Gesegnet mit Bodenschätzen, in strategisch günstiger Lage als Keil zwischen China, Indien und Südostasien gelegen, mit einer armen, aber strebsamen Bevölkerung hat Burma vieles, was es für einen Aufschwung braucht. Die Erwartungen sind hoch: 8 Prozent jährlich könne Burma wachsen, und dies über 30 Jahre, schätzt die Unternehmensberatung McKinsey.

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