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Nach der NRW-Wahl : Wirtschaft beglückwünscht die SPD

  • -Aktualisiert am

Kritisiert die CDU: BDI-Präsident Hans-Peter Keitel Bild: dapd

Über Norbert Röttgens Scheitern ist in der Branche niemand traurig. Industriechef Keitel rät der CDU sich mit ihren Stammwählern zu versöhnen. Die FDP erhält derweil Lob.

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          Mit Genugtuung haben führende Wirtschaftsvertreter den Wahlerfolg der FDP in Nordrhein-Westfalen zur Kenntnis genommen, beinahe mit Schadenfreude hingegen kommentierten sie das schlechte Abschneiden der CDU. Verbände und Konzernchefs bescheinigten Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), für die zuverlässigere Wirtschaftspolitik zu stehen als der gescheiterte Herausforderer Norbert Röttgen (CDU). Besonders für dessen ambitionierte, aber schleppend vorankommende Energiewende gab es am Tag nach der Wahl Kritik.

          „Realismus in der Energie- und Strukturpolitik und ein klares Bekenntnis zur Industrie, darauf kann man einen Wahlsieg aufbauen“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Essener Energieversorgers RWE, Jürgen Großmann, dieser Zeitung: „Das Thema Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen ist bei Frau Kraft in guten Händen, insofern geht ihr Sieg in Ordnung.“ Der Präsident des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, sagte, der Wahlausgang markiere „den Beginn der Merkel-Dämmerung“. Der CDU fehlten wichtige Themen und Personen, um ihre Stammwählerschaft zu binden. Frau Kraft komme dagegen selbst aus dem Mittelstand und spreche Unternehmer an.

          Prinzipientreue habe sich ausgezahlt

          Ähnlich äußerte sich der Bundesverband der Deutschen Industrie. Die CDU müsse ernsthaft überdenken, „mit welchen Themen und Personen“ sie künftig ihre Stammwähler besser erreichen könne - „gerade auch in der Wirtschaft“, sagte der Präsident des BDI, Hans-Peter Keitel. Andere Wirtschaftsvertreter nahmen mit Wohlwollen zu Kenntnis, dass dies der FDP offensichtlich gelungen war. Die (neu entdeckte) Prinzipientreue der Liberalen habe sich ausgezahlt. „Der Erfolg von Christian Lindner hat gezeigt, dass Glaubwürdigkeit und die Rückbesinnung auf die Kernwerte der FDP wichtig sind“, sagte die Bundesvorsitzende des Verbandes der jungen Unternehmer, Marie-Christine Ostermann.

          Der gescheiterte Kandidat und amtierende Bundesumweltminister Röttgen erfuhr am Montag auch aus den eigenen politischen Reihen Kritik. Der Vorsitzende der CSU, Horst Seehofer, merkte an, die Menschen wollten „endlich Antworten hören, wie es mit der Energiewende weitergehen soll.“ Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs, sagte dieser Zeitung, er finde die Entscheidung Röttgens „honorig“, wegen der Niederlage vom Landesvorsitz zurückzutreten. Fuchs kritisierte aber, dass es nicht gelungen sei, „die Schuldenpolitik von Frau Kraft zu thematisieren“. Es habe noch nie zum Erfolg geführt, wenn sich ein Kandidat nicht voll zum Bundesland bekannt habe. Auch sei es ein Fehler Röttgens gewesen, in einem Interview von „alten Industrien“ zu sprechen. Dies hätten Facharbeiter ihm nicht verziehen. „Wir brauchen die Industrie, und zwar komplett“, sagte Fuchs.

          „Energiewende mit Augenmaß“

          Auch der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Josef Schlarmann, fand deutliche Worte über seinen Parteifreund: Dieser habe als Spitzenkandidat in NRW versagt, teilte er mit, „auf Bundesebene steht Norbert Röttgen insbesondere für eine Energiewende, der es nicht an ambitionierten Klimazielen, wohl aber an Realitätssinn und Augenmaß mangelt.“ Weit mehr Stammwähler der CDU hatten am Sonntag ihre Stimme nicht abgegeben als Wähler der anderen Parteien. Röttgen habe selten erkennen lassen, dass er Rücksicht auf Industrie und Stromkunden im „Industrieland“ Nordrhein-Westfalen nehme, sagte Josef Schlarmann.

          Die gestärkte SPD sei nun verpflichtet, ihr industriepolitisches Programm auch mit den Grünen durchzusetzen, forderte indes BDI-Chef Keitel. Nordrhein-Westfalen sei das Herz des Industriestandorts. Eine „Energiewende mit Augenmaß“, mahnte er, sei für Wohlstand und Arbeitsplätze notwendig. 

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