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Nach der Honorarreform : Ärzten reicht Milliarden-Zuwachs nicht

Trotz Honorarreform sind viele Ärzte mit ihrem Verdienst noch immer unzufrieden Bild: dpa

Nach dem unerwartet starken Anstieg der Einkommen von Ärzten im ersten Quartal fordern Mediziner noch immer Nachbesserungen an der Honorarreform. Dagegen verlangt Gesundheitsministerin Schmidt das sofortige Ende aller Proteste.

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          Nach dem unerwartet starken Anstieg der Einkommen von Ärzten im ersten Quartal hat die Berufsgruppe weitere Nachbesserungen verlangt. Dagegen rief Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) die niedergelassenen Mediziner auf, ihre Protestaktionen einzustellen. Die Vorhersagen über Einkommensverluste seien deutlich übertrieben gewesen, erklärte Schmidt: „Die zahlreichen Protestaktionen ohne Kenntnis tatsächlicher Zahlen erweisen sich damit als völlig unangemessen.“ Es sei an der Zeit, „Aktionen zu Lasten der Patienten und unberechtigte Proteste einzustellen.“

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Die Einkünfte der Ärzte seien im Jahresvergleich im ersten Quartal um neun Prozent gestiegen, bestätigte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler (Mehr Geld für Deutschlands Kassenärzte). Während die Honorare in 14 von 17 ausgewerteten kassenärztlichen Bezirken um 3,8 Prozent zulegten, habe eine Stichprobe unter 55.000 Praxen gezeigt, dass die Hausärzte ihren Umsatz mit Kassenpatienten um zehn, die Fachärzte um neun Prozent gesteigert haben.

          Nicht alle Ziele erreicht

          Köhler bewertete die Zuwächse und die damit einhergehende Honorarreform zurückhaltend. Man habe nicht alle Ziele erreicht. So bekämen die Ärzte in Baden-Württemberg vermutlich weniger, auf jeden Fall nicht mehr Geld als im Vorjahr; auch zählten vielfach konservativ arbeitende Fachärzte zu den Verlierern, die wenig technisches Gerät einsetzen oder operieren. Das müsse geändert werden.

          Das gelte auch für die Finanzierung des Ausgleichsmechanismus innerhalb des kassenärztlichen Systems. Der soll sicherstellen, dass etwaige Einbußen nirgends größer als fünf Prozent ausfallen. Zur Gegenfinanzierung wurden Zuwächse einiger Arztgruppen beschnitten, aber auch Rücklagen angegriffen. Köhler machte deutlich, dass er auf eine Beteiligung der Kassen an der Finanzierung für die kommenden Quartale hoffe, so wie in Bayern bereits geschehen. Er erwarte auch, dass die von der Landesregierung von Baden-Württemberg angekündigten 160 Millionen Euro für die Kassenärzte überwiesen würden, sagte der Ärztechef.

          Plötzlich vermehrte Hausbesuche bei Nacht

          Köhler machte Veränderungsbedarf im eigenen Lager aus. Einige Ärzte legten die neuen Regeln kreativ aus. So seien die Ausgaben für Akupunktur stark angestiegen. Deren heilende Wirkung ist in der Ärzteschaft stark umstritten. Auch die Honorare für nächtliche dringende Hausbesuche seien um 38 Prozent gestiegen, in Sachsen-Anhalt gar um 461 Prozent. Manche Ärzte hätten ihre Hausbesuche „wohl in die Nacht verlegt“.

          Der Ärztevertreter sieht trotz der erwarteten Honorarsteigerung um rund zwei Milliarden Euro in diesem (nach 1,7 Milliarden Euro im vergangenen) Jahr weiteren Finanzbedarf von bis zu drei Milliarden Euro. Rechnerisch verdiene ein Kassenarzt 87.000 Euro, der Oberarzt im Krankenhaus aber 105.000 Euro. Die Honorarlücke bei den niedergelassenen Ärzten betrage zwar keine 30 Prozent mehr, aber immer noch 20 Prozent.

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