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Kommentar : Yellens Woche

In dieser Woche steht der nächste Zinsentscheid der amerikanischen Notenbank an. Allzu große Hoffnung auf höhere Zinsen besteht allerdings nicht.

          Nach der EZB ist vor der Fed. In der vergangenen Woche hat die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik weiter gelockert. Die Politik der EZB wirkt nicht nur unmittelbar auf den Euroraum, sondern auch auf benachbarte Länder und die internationalen Kapitalmärkte. Aber die internationale Wirkung der amerikanischen Geldpolitik ist noch weitaus größer, denn der Dollar fungiert de facto als eine Art Weltwährung, die Wertpapierpreise und Finanzierungsbedingungen rund um den Globus beeinflusst. Daher verdient das Treffen des Führungsgremiums der Federal Reserve (Fed) in dieser Woche weit über die Vereinigten Staaten hinaus große Aufmerksamkeit.

          Seit der Leitzinserhöhung im vergangenen Dezember haben sich die Erwartungen der Finanzmärkte stark verändert. Damals galten vier Leitzinserhöhungen im laufenden Jahr als eine plausible Prognose. Heute erwartet die Mehrheit der Marktteilnehmer allenfalls eine Leitzinserhöhung im Jahr 2016, und diese eher im Herbst als jetzt im März. Die Annahme einer nur sehr gemächlichen Straffung der amerikanischen Geldpolitik ist an vielerlei Indikatoren ablesbar. Seit der Leitzinserhöhung im Dezember sind die Renditen amerikanischer Staatsanleihen gefallen und nicht gestiegen. Der Dollar hat in den vergangenen Wochen gegenüber dem Euro nicht mehr aufgewertet, obgleich die EZB ihre Geldpolitik noch weiter gelockert hat. Und seit kurzer Zeit erwacht wieder das Interesse an Kapitalanlagen in Schwellenländern, die im vergangenen Jahr wegen der Aussicht auf höhere Dollarzinsen sehr unbeliebt geworden waren.

          Die wichtigste Orientierungsgröße für die Fed ist offenkundig der amerikanische Arbeitsmarkt, gefolgt von der Inflation in den Vereinigten Staaten und der Lage an den internationalen Finanzmärkten. Zweifel an Kraft und Dauerhaftigkeit des amerikanischen Konjunkturaufschwungs haben an den Finanzmärkten die Überzeugung wachsen lassen, die Fed werde mit weiteren Leitzinserhöhungen zögern. Hinzu tritt die Wahrnehmung, an der Spitze der Fed stehe mit Janet Yellen eine Vorsitzende, die der Konjunktur zuliebe eine lockere Geldpolitik bevorzuge.

          Die amerikanische Wirtschaft sendet unterschiedliche Signale aus, aber übergroßer Pessimismus erscheint überzogen. An den internationalen Finanzmärkten ist es relativ ruhig. Vermutlich wird die Fed in dieser Woche ihren Leitzins noch nicht erhöhen. Aber es wäre voreilig, für das spätere Jahr Zinserhöhungen abzuschreiben.

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