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Nach den Wahlen : Politische Börsen

Grund zur Diskussion: Die Eurokrise stellt die Beziehungen zwischen Politik und Finanzmärkten immer wieder auf eine Belastungsprobe Bild: Fricke, Helmut

Politik und Finanzmärkte wachsen immer weiter zusammen. Die Beteiligten verstehen sich allerdings nicht immer sehr gut. Beide Seiten unterschätzen sich häufig gegenseitig. Der Kommentar.

          Kurz nach Schluss der Wahllokale ist es zu früh, die Folgen der Wahlen vom Sonntag für die internationalen Finanzmärkte präzise abzuschätzen. Der Sieg François Hollandes dürfte kaum jemanden überrascht haben, wogegen die Situation in Griechenland, ebenfalls nicht völlig überraschend, vorerst unübersichtlich erscheint.

          Fraglos werden die Finanzmarktteilnehmer am Montag ab den frühen Morgenstunden im Handel zunächst in Australien und Asien, dann in Europa und schließlich in Amerika ihre Schlüsse aus den Urnengängen ziehen und sie in Kursen ausdrücken.

          Nach einem alten Sprichwort besaßen politische Börsen kurze Beine. Die Überzeugung, wonach die Politik die Finanzmärkte nur kurzfristig beeinflusse, gehört indessen der Vergangenheit an. Politik und Finanzmärkte sind in den vergangenen Jahrzehnten immer enger zusammengewachsen. Unglücklicherweise verstehen sich Politiker und Finanzmarktteilnehmer aber immer noch nicht sehr gut. Was als „dialogue de sourds“ (Dialog der Gehörlosen) begann, wie es die Franzosen nennen, hat sich zu einer manchmal immer noch mühsamen Konversation entwickelt.

          Beide Seiten unterschätzen sich gegenseitig

          Vor allem zwei Ereignisse haben Politik und Finanzmärkte näher zusammengeführt. Das war zum einen der Zusammenbruch des Weltwährungssystems von Bretton Woods in den frühen siebziger Jahren, nach dem die Länder zum Teil sehr unterschiedliche Wirtschafts- und Finanzpolitiken zu betreiben anfingen, die sich in größeren Bewegungen von Zinsen und Wechselkursen äußerten. Nicht zufällig erblickten damals Hedgefonds das Tageslicht, die aus der Prognose von Entwicklungen der Gesamtwirtschaft als Folge politischen Handelns Anlagekonzepte entwickelten.

          Die zweite Klammer zwischen Politik und Finanzmärkten schuf die wachsende Staatsverschuldung. Viele Regierungen nahmen lange Zeit die Plazierung von Staatsanleihen als Selbstverständlichkeit und die Anleger als Erfüllungsgehilfen wahr. Seit dem Ausbruch der Staatsschuldenkrise in Europa wächst auch in den Industrienationen die Erkenntnis, dass es von den Marktteilnehmern gesetzte Grenzen der Verschuldung geben mag.

          Auch wenn zwischen Politikern und Teilnehmern an den Märkten rege Kontakte entstanden sind, versteht man sich oft schlecht. So haben gerade angelsächsische Analysten den politischen Willen zur Bewahrung der Europäischen Währungsunion unterschätzt. Umgekehrt unterschätzen Politiker, wie oft nicht Gier, sondern Angst Vermögensverwalter treibt.

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