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Nach ABS und Covered Bonds : Kauft die EZB bald Unternehmensanleihen?

Der Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt Bild: Eilmes, Wolfgang

Die Europäische Zentralbank will mit Macht mehr Geld in die Märkte pumpen. Als nächste Stufe könnte nun ein Kauf von Unternehmensanleihen anstehen.

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          Angesichts der schwachen Konjunktur im Euroraum wird über eine noch weitergehende Lockerung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) spekuliert. Als nächste Stufe könnte ein Kauf von Unternehmensanleihen anstehen. Entsprechende Überlegungen gebe es in der EZB-Spitze, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Ein EZB-Sprecher sagte dazu, der Zentralbankrat habe keine solche Entscheidung getroffen. Der Euro-Wechselkurs sank am Dienstag leicht, nachdem die Spekulationen am Devisenmarkt die Runde machten.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          In Notenbankkreisen hieß es, die lancierte Idee eines Unternehmensanleiheankaufs sei „der nächste Testballon“. Erst am Montag hat die EZB mit dem Kauf von Covered Bonds wie Pfandbriefen begonnen. Demnächst wird sie die umstrittenen ABS-Kreditverbriefungen kaufen. Durch diese Maßnahmen will die EZB in großer Menge frisches Geld in die Märkte pumpen. EZB-Präsident Mario Draghi hat als Zielmarke ausgegeben, die EZB-Bilanz auf gut 3 Billionen Euro auszuweiten. Damit müssten rund 1000 Milliarden Euro zusätzliches Zentralbankgeld ausgeben werden. Aus der Bundesbank war zu hören, dass eine Diskussion über immer neue Maßnahmen voreilig sei.

          Hinter der Spekulation über Unternehmensanleihen könnte die Sorge der EZB stehen, dass die bisherigen Maßnahmen nicht funktionieren, schreiben die Analysten der Royal Bank of Scotland: „Wir glauben, die Investoren bezweifeln, dass das ABS-Programm im richtigen Tempo klappen wird.“ Daher werde schon nach weiteren Möglichkeiten Ausschau gehalten. „Ein Kauf von Unternehmensanleihen wäre eine Quantitative Lockerung, aber eben noch nicht mit Staatsanleihen“, erklärte Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

          Fratzscher: „Nur sehr begrenzt wirksam“

          Er bezweifelte aber, dass der Ankauf von Unternehmensanleihen einen entscheidenden Schub für die Wiederankurbelung der europäischen Wirtschaft brächte. „Das wäre nur sehr begrenzt wirksam“, meinte er. Dafür sei der Markt für Unternehmensanleihen zu klein, wenn die EZB nicht das gesamte Angebot aufkaufen wolle. „Die EZB könnte über ein Jahr vielleicht 100 Milliarden Euro ausgeben.“ Das wäre viel weniger als die Quantitative Lockerung in Amerika. Durch den Ankauf würde die EZB das Angebot verknappen und die Renditen drücken. Niedrigere Zinsen könnten die Wirtschaft stimulieren. „Allerdings besteht für die großen Unternehmen gar keine Kreditklemme“, sagte Fratzscher. Davon seien vor allem kleine und mittlere Unternehmen betroffen. Auf dieses Segment zielt der ABS-Kauf.

          Nach Ansicht von Fratzscher sind die Bankenprobleme in den Krisenstaaten nach wie vor nicht gelöst. Das zeigt sich auch darin, dass die Notfallkredite ELA (Emergency Liquidity Assistance) einiger nationaler Zentralbanken für angeschlagene Banken weiter hoch sind. Nach Angaben des Eurosystems betrugen sie zuletzt 66 Milliarden Euro. „Das hohe Volumen ist problematisch, weil ELA ja eigentlich nur eine vorübergehende Liquiditätshilfe sein soll“, sagte Fratzscher.

          Kritiker sagen, die ELA-Kredite würden als Dauerhilfe für nicht lebensfähige Banken in der Peripherie, etwa in Griechenland und Zypern, missbraucht. „Die ELA-Volumina sind ein Fieberthermometer für den Zustand des Bankensektors“, sagte der Finanzwissenschaftler Jörg Rocholl, Chef der ESMT-Hochschule in Berlin. Spätestens nach dem Bilanztest müsste das ELA-Volumen sinken. Sonst wäre der Bilanztest nicht glaubwürdig. Die EZB wird am Sonntag die Ergebnisse der Bilanzprüfung veröffentlichen.

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