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Integrationsdebatte : „Multikulti ist gescheitert“

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„Falsche“ Kongruenz zwischen Arbeitsmarktintegration und Integrationspolitik

Wenn wir aber die wirklichen Ergebnisse der Integration betrachten, schaut es ganz anders aus. Bei der Arbeitsmarktintegration schneiden mit den Niederlanden, Schweden und Belgien gerade die drei Länder am schlechtesten ab, die am stärksten auf eine Integrationspolitik gesetzt haben, geringe Anforderungen an Zuwanderer stellen und ihnen kulturell entgegenkommen. Die MIPEX-Schmuddelkinder Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen dagegen vergleichsweise gut dar.

Wird in Deutschland häufig als eine Stadt genannt, in der Integration gelungen ist: Offenbach am Main.

Die zweite Erfahrung, die mich zum Umdenken brachte, hatte ebenfalls seinen Ursprung in den Niederlanden: der Mord an dem Filmdirektor Theo van Gogh durch einen radikalislamischen Terroristen in Amsterdam im November 2004. Van Gogh hatte kurz zuvor zusammen mit der aus Somalia geflüchteten Ayaan Hirsi Ali den Film „Submission“ gedreht, der die Rolle der Frau im Islam kritisierte. Der Film bestand aus Aussagen von islamischen Frauen und Zitaten aus dem Koran über die Ungleichheit von Mann und Frau. Diesen „Missbrauch“ des Korans und insbesondere die Tatsache, dass die Zitate auf einen nackten Frauenrücken projiziert wurden, hatte den Zorn radikaler Muslime geweckt.

Mohammed Bouyeri, Mitglied einer Terrorzelle, die später als „Hofstadgroep“ bekannt wurde, entschloss sich, den Gotteslästerer zu töten. An helllichtem Tag, mitten in Amsterdam, feuerte er auf Theo van Gogh, der von seinem Fahrrad fiel, versuchte zu entkommen, wiederum hinfiel und um Gnade flehte. Bouyeri feuerte abermals einige Schüsse aus kurzer Distanz, schnitt daraufhin seinem Opfer mit einer Machete die Kehle durch und stieß das Messer tief in dessen Brust. Mit einem zweiten Messer spießte er einen Brief an Ayaan Hirsi Ali in den Körper van Goghs, mit der Kernbotschaft: „Du bist die Nächste.“

Mit Ausnahme des Zweiten Weltkriegs hatte es in den Niederlanden seit mehr als dreihundert Jahren keinen politischen Mord gegeben. Jetzt waren es zwei, innerhalb von anderthalb Jahren, und beide Opfer hatten mit Kritik am Islam ihr Todesurteil unterzeichnet.

Die Ursachen des Terrors bei den Opfern suchen

Was mich schockierte, war nicht nur der grausame Mord, sondern vielleicht mehr noch die Reaktionen, die darauf folgten. Rechtsextremisten nutzten den Mord für ihre Zwecke: Auf eine Moschee und eine islamische Schule wurden Brandanschläge verübt. Wer gedacht hätte, die Politik würde jetzt ein klares Signal für die Meinungsfreiheit und das Recht auf Religionskritik setzen, hatte sich geirrt. Premierminister Jan Pieter Balkenende besuchte zwar die niedergebrannte islamische Schule, und Königin Beatrix ging in Amsterdam auf Teevisite in ein marokkanisches Jugendzentrum, aber die Eltern von Theo van Gogh besuchten sie nicht. Justizminister Piet Hein Donner – wie Balkenende ein Christdemokrat – plädierte sogar wenige Tage nach dem Mord im Parlament dafür, das verstaubte Gesetz gegen Gotteslästerung wieder anzuwenden.

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