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Integrationsdebatte : „Multikulti ist gescheitert“

  • -Aktualisiert am

Integrationsforderer Deutschland schneidet in Untersuchungen besser ab

Zwei Erfahrungen führten dazu, dass ich mich gezwungen sah, meinen Blick auf Integration grundsätzlich zu revidieren. Die erste ergab sich direkt aus Forschungsergebnissen, die mir keine andere Wahl ließen, als meine Annahmen zu überdenken. Anfang 2002 widmete die niederländische wissenschaftliche Zeitschrift „Migrantenstudies“ der Diskussion eines Integrations-Berichtes ein Sonderheft. Dieser Bericht des Wissenschaftlichen Sachverständigenrats der niederländischen Regierung (WRR) reihte sich ein in die positive Sicht auf die niederländische Integrationspolitik: weiter so, nur noch mehr vom gleichen Rezept – das war der Tenor. Es wurden vom Sachverständigenrat aber keine Vergleiche mit anderen Ländern, die diese positive Bilanz untermauern konnten, gemacht.

Ich wurde angefragt, für das Sonderheft einen Vergleich zwischen den Ergebnissen der deutschen und niederländischen Integrationspolitik anzufertigen. In der vollen Überzeugung, ich würde empirische Beweise für die Überlegenheit der niederländischen Integrationspolitik zusammentragen, machte ich mich an die Arbeit. Zu meinem Erstaunen ging der Vergleich aber in fast jeder Hinsicht zugunsten von Deutschland aus. In Deutschland waren Zuwanderer zwar doppelt so häufig arbeitslos und sozialhilfeabhängig wie Menschen ohne Migrationshintergrund, aber in den Niederlanden waren viermal so viele arbeitslos und zehnmal so viele sozialhilfeabhängig. Auch die Zahl der Schüler mit Migrationshintergrund, die ohne Abschluss die Schule verließen, die Überrepräsentation von Ausländern in der Kriminalstatistik und die räumliche Segregation in den Städten waren in den Niederlanden viel stärker ausgeprägt als in Deutschland.

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In den Niederlanden sorgte der Aufsatz für heftige Kontroversen. Die Qualität meiner Daten und Analysen wurden in Zweifel gezogen – ein Muster, das sich noch viele Male wiederholen sollte, wenn empirische Befunde etwas hergaben, das sich den ideologischen Fronten in der Integrationsdebatte nicht fügte. Zum Beispiel wurde argumentiert, dass die Zuwandererpopulationen von Deutschland und den Niederlanden nicht vergleichbar seien. Immerhin war die Aufmerksamkeit groß genug, um das Zentrale Planungsamt (CPB) des niederländischen Staates zu veranlassen, die Sache näher zu untersuchen mittels eines kontrollierten, ökonometrischen Vergleichs der Arbeitsmarktintegration von türkischstämmigen Migranten in beiden Ländern.

Ergebnis: Auch bei gleichem Bildungsniveau und gleicher Altersstruktur schnitten die Deutschtürken viel besser als die niederländischen Türken ab. Bei einem gleichen Bildungsniveau wie der Durchschnitt der Personen ohne Migrationshintergrund hatten niederländische Türken eine um 20 Prozent niedrigere Erwerbstätigenquote als Niederländer ohne Migrationshintergrund. Der Unterschied in Deutschland betrug hingegen nur sieben Prozent. Auch die Kenntnis der Sprache des Wohnlandes war bei den Deutschtürken besser entwickelt.

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